Briefzensur

Der nachfolgende Brief, den ich aus der Haft im Untersuchungsgefängnis Waaghof in Basel an einen Bekannten geschrieben habe, wurde von Kommissar S. Brancolini zensuriert, d.h. nicht an den Adressaten weiterbefördert:

Basel, 26. August 1998

Lieber Wlassow!

Was wir zur Zeit in der Schweiz erleben, ist Meinungsterror nach bolschewistisch-stalinistischem Vorbild. Was gibt es eigentlich zu verbergen, dass Münder, Zeitungen, Broschüren und Bücher (Garaudy) hinter Schloss und Riegel müssen, wenn sie kapitalkräftigen Sonderinteressen unbequem sind?

Wer sich in der Schweiz auf Anordnung fremder Organisationen/Mächte (und ihrer Lakaien) an der verfassungswidrigen politischen Verfolgung mitbeteiligt, setzt sich selbst ins Unrecht. Da hilft es ihnen dann auch nichts, wenn sie sich auf höhere Anweisung berufen. Gut zu wissen, dass 1996 turnusmässig die neuen 200 Schweizerischen Geschworenen gewählt wurden. Die Zeit ist nicht fern, da sie amtieren werden.

Gemäss Botschaft des Bundesrates zum „Antirassismusgesetz“ darf niemand wegen seiner Rasse, Ethnie oder Religion die gleichberechtigte Menschenwürde abgesprochen werden. Damit stimme ich überein – in keiner unserer Schriften haben wir dies getan. Offenbar dürfen andererseits Schweizer diffamiert, herabgewürdigt und als Kollaborateure Hitlers bezeichnet werden, ohne dass dies je strafrechtliche Folgen hätte. Mithin ein klarer Verstoss gegen das Gleichheitsgebot Art. 4 BV.

Die geistigen Irrungen einiger Zeitgenossen erscheinen mir pathologisch. So wird mir unter anderem vorgeworfen, „revisionistisches“ Gedankengut zu verbreiten. In welchem Strafartikel solches verboten wird, weiss allein der Teufel.

Wieviel die behaupteten Unterstellungen Wert sind, möge die Verzeigung von ex Bundesrat Jean-Pasquale Delamuraz wegen Verstosses gegen Art. 261bis StGB dartun, weil er Erpressung Erpressung nannte.

Unsere Bürger und Bürgerinnen haben nun dafür zu sorgen, dass Recht und Freiheit wieder hergestellt werden. Ich habe die dafür notwendigen Schritte Mitte August 1998 (eine Woche vor meiner Verhaftung) eingeleitet und niemand wird sie stoppen können. Ihre Freunde wissen Bescheid. Bitte informieren Sie sich. Es gilt endlich zu handeln.

Vielleicht sollte ich meinen Brief mit Nelson Mandela unterzeichnen. Der sass ja in Südafrika auch im Knast. Heute sind die Medien voll des Lobs über ihn und er wurde Staatspräsident. Seine damaligen Gegner wurden von der Zeit eingeholt. Heute geht es ihnen nicht mehr so gut.

sig. Ernst Indlekofer