„Innere Sicherheit 2000“

Am obgenannten Podiumsgespräch vom 20. November im Luzerner Verkehrshaus äusserte sich Anton Widmer, Direktor des Bundesamtes für Polizeiwesen, zum gestellten Thema. Seine Behauptung, das Kriminalitätsrisiko in der Schweiz bewege sich „im Rahmen des Zumutbaren“, ist ein unverzeihlicher Affront gegen unsere Bevölkerung. Müssen bei uns erst Zustände wie weiland im Wilden Westen herrschen, damit Widmer uns sagen kann, dass das zumutbare Mass erreicht oder überschritten ist? Seine Äusserung ist eine unerhörte Frechheit den Bürgern gegenüber, die in grosser Angst leben, ihre Wohnungen, ihre Häuser und nicht zuletzt sich selbst mit viel Aufwand und Umsicht gegen die organisierten Verbrecherbanden sichern müssen. Oder ist es etwa nicht Ausdruck grosser Angstgefühle des Alleingelassenwerdens, wenn sich in verschiedenen Dörfern Bürgerwehren organisieren? Wenn Widmer selbst die Infiltration des Rechtsstaates beschwört, und wenn namhafte Redner über Wirtschaftskriminalität, Drogenhandel, Geldwäscherei usw. sprechen, sollte Widmer den Ausdruck „zumutbare Kriminalität“ nicht leichtfertig in den Mund nehmen. Solche Polizei-Direktoren sind der Bevölkerung so wenig zumutbar wie die Verbrecherbanden. Für einige Luzerner Bürger jedenfalls war Widmer schon früher alles andere als unproblematisch. Dass er als Offizier und Mitglied der Offiziersgesellschaft zum vorneherein als qualifiziert betrachtet wurde, ist leider für die Beförderungspraxis des Bundes nicht neu. Herr Nyffenegger ist schliesslich auch einmal befördert worden. Willkür, Arroganz und Macht waren schon immer gefährliche Kriterien. Aber das gab es schon im alten Rom. Selbst Hitler machte seine Erfahrungen mit machtbesoffenen Knechten. Wenn das unsere Freiheit sein soll, die Widmer solchermassen zu schützen vorgibt, dann steht es bedenklich um unsere wirkliche Freiheit.