Die «NATOisierung» Europas

Von Norberto Ceresole

Norberto Rafael Ceresole ist argentinischer Soziologe und Politologe. Er ist Autor von dreissig Büchern über geopolitische und strategische Fragen. Nachfolgend ein Auszug aus seinem 1998 erschienenen Werk «Die Eroberung des amerikanischen Empire – Die jüdische Macht in West und Ost».

Solange eine internationale Organisation existiert, fehlte es ihr offensichtlich noch nie so sehr an Urteilskraft wie der NATO in diesen letzten Zeiten des Nachkommunismus. Keine der Ursachen, welche – formell – ihre Gründung veranlasste, existierte bisher schon. Mit Ausnahme einer einzigen, genau gesagt, die wichtigste: Die geopolitische Unfähigkeit und Ohnmacht Westeuropas, militärisch und diplomatisch.

Die Projektion der nordamerikanischen Macht über ihr westliches Einflussgebiet des Nordatlantik ist noch immer eine unverzichtbare Voraussetzung für die Fortdauer der «Europäischen Union», innerhalb ihrer aktuellen Organisationsform. Und die Fortdauer der «atlantischen Verbindung» unter nordamerikanischer Oberaufsicht ist eine unverzichtbare Bedingung, um die westliche Kontrolle, an erster Stelle über sich selbst, an zweiter Stelle über dem unstabilen slawischen Raum, und nicht zuletzt über die strategische Alte Welt, aufrechterhalten zu können.

In diesem letzten geopolitischen Segment werden immer noch permanente und systematische Beziehungen zwischen Westeuropa und Israel, und umgekehrt zwischen Westeuropa und dem arabisch-mohammedanischen Raum verfolgt, vermittelt durch die politische, finanzielle und theologische Macht, die an der Ostküste der USA installiert ist. Sie ist ein Bruchstück [fragmento] der am meisten bevorzugten nordamerikanischen Macht der «Globalisierung».

Das Weiterbestehen und die Expansion der NATO (das heisst die Fortdauer der nordamerikanischen militärischen Präsenz in Europa) nach dem Verschwinden des «Aggressors» (der UdSSR), welcher die Ursache für diese Organisation war, versteht sich nur aus einem Parallelismus mit dem politischen Beschluss durch den Wienerkongress von 1815 nach der definitiven Niederlage Napoleons in Waterloo. Wie damals, denkt man in solchen Momenten, dass der Pentarchie* Frieden von Wien im Jahre 1815 ein brauchbares Modell für die Erneuerung der Welt nach dem Kalten Krieg, am Ende des 20. Jahrhunderts, ist.

Die Fortdauer und die Erweiterung der NATO unter nordamerikanischer Kontrolle – die insulare Macht dieser Zeit – hat eine prinzipielle Ursache und zwei sekundäre Ziele. Die zwei sekundären Ziele sind: Die andauernde Auflösung der zentral-kontinentalen russischen Macht und die Rückendeckung für den Staat Israel als «Pufferstaat» in der Alten Welt.

Diese zwei sekundären Ziele werden nicht erfüllbar sein, wenn sich innerhalb Europa selbst ein «Friedenswechsel» herstellen würde. Das heisst, wenn sich in diesem Raum eine aufständische Kraft erheben und die aktuelle Kalte Nachkriegsordnung als illegitim betrachten würde. Die Präsenz einer mit amerikanischer Vorherrschaft ausgestatteten NATO lässt sich nur erklären, wenn mit ihr verhindert werden soll, dass innerhalb Europas eine solche Kraft auftaucht, oder mächtige Gruppen, deren Interesse (Expansion) in einem hierarchischen «Ordnungswechsel» innerhalb der aktuellen globalen Machtverteilung besteht.

Man denkt, die NATO unter der «insularen» nordamerikanischen Kontrolle ist die einzige bestehende Garantie um das Auftauchen einer «revolutionären» Kraft zu verhindern, wie sie das napoleonistische Frankreich im 19. und das nationalsozialistische Deutschland und Sowjetrussland im 20. Jahrhundert waren.

Das erste ist dann, zu verhindern, dass eine europäische «revolutionäre» Macht auftaucht, die das errichtete hierarchische System nicht akzeptiert. «Immer wenn eine Macht existiert, die beabsichtigt, die internationale Ordnung oder die Form ihrer Legitimation zu unterdrücken, werden ihre Beziehungen zu anderen Mächten revolutionär sein. In solchen Fällen wird es nicht die Anpassung der Differenzen innerhalb eines gegebenen Systems sein, sondern das System selbst wird unsicher sein. Anpassungen sind möglich, aber man wird dieselben wie taktische Manöver begreifen, um Positionen im Hinblick auf unausweichliche Gegenüberstellungen zu sichern… Der unterscheidende Wesenszug einer revolutionären Macht ist nicht, dass sie sich bedroht fühlt – dieses Gefühl ist dem Charakter der vergangenen internationalen Beziehungen von souveränen Staaten innewohnend – sondern, dass nichts sie beruhigen kann. Nur die absolute Sicherheit – die Ausschaltung des Gegners – betrachtet man als eine genügende Garantie, und deshalb der Wunsch einer Macht darauf zu zählen sind eine absolute Sicherheit [und] bezeichnet die absolute Unsicherheit für alles Übrige» (Henry Kissinger, Das erneuerte Europa).

Globalisation und das Ende der nationalen Souveränitäten

[…] Am 22. September 1997 schlug der Präsident der USA, William Clinton, bei den Vereinten Nationen (UN) vor, ein übernationales «ständiges Gericht» für «Vergehen gegen die Menschlichkeit» einzurichten. Ein erschreckendes und einmaliges Ereignis in der Weltgeschichte, das den Anspruch erhebt, die Vormachtstellung der Globalisierung und das Ende der Souveränität der Nationalstaaten zu «legalisieren».

Noch während derselben Woche dieses Septembers 1997 schloss der Internationale Währungs Fonds (IWF) seine symbolische Versammlung in Hong Kong, nach welcher dann die Globalisation aufhörte nur eine [vage] Absicht zu sein, und sich in eine Wirtschaftsdoktrin umwandelte, mit ihren Regeln und ihren Führern. Der IWF hat seinen juristischen Charakter verändert und seine alte Vergangenheit durch neue Kompetenzen vergrössert: Von jetzt an war er offiziell der Weltregler für die internationalen Kapitalflüsse: Der Boss.

Wie ein höchst symbolisches Ereignis innerhalb des Prozesses der Auflösung der nationalen Unabhängigkeiten sehen wir ein fortschreitendes Eindringen von global agierenden Körperschaften in die Finanzierung – Lies: Lenkung – der UNO. Die künstliche Umstellung, angekündigt durch den Ex Besitzer der CNN International, ist signifikant und muss als Markstein im Prozess der Globalisierung – Weltregierung – verstanden werden, da nämlich, wenn das Gewissen der «Menschlichkeit» noch weltumspannender wäre, dann noch mehr Augen CNN sehen würden.

Auf jeden Fall ist es möglich, zu behaupten, dass eine logische Verbindung besteht zwischen dem Unterhalt der militärischen Strukturen der NATO (mit einem einzigen Entscheidungszentrum in den USA), der Fortdauer des Prozesses der «Europäischen Union» nach dem Gründerkriterium der «Volkswirtschaftler» und der Überlegenheit (in Wirklichkeit Vorherrschaft) der globalisierenden Kraft mit der grössten heute existierenden Weltmacht: die «Ostküste» der USA. Die europäische «Konstruktion» wurde von den sogenannten «Gründungsvätern» hervorgebracht, nicht nur aus einem wirtschaftlichen Gesichtspunkt, sondern vor allem einem der Volkswirtschaftler. Die zentrale These war und ist, dass die fortschreitende Vereinheitlichung der Wirtschaft die Mitgliedstaaten unausweichlich zu ihrer politischen Vereinheitlichung führen wird.

Das dargelegte und beweisbare Ereignis ist, dass die fortschreitende wirtschaftliche Vereinheitlichung [bisher] keinen einzigen Typ einer politischen Einheit brachte und dass die Nationalismen sich gegen die bürokratischen Bestimmungen Brüssels auflehnen. Die Zusammenfügung eines künstlichen «Superstaates», der immer teurer wird und immer mehr in den Machtkreis der grossen nichtstaatlichen Wirtschaftskonglomerate gerät, ging parallel mit der Forderung – teilweise erreicht, teilweise nicht – nach der Auflösung der nationalen Eigenarten der europäischen Völker.

Anfang der 50er Jahre beantwortete Robert Schuman das in Frage stehende Problem der wirtschaftlichen Vereinigung Europas als eine Frage von «Krieg und Frieden», und zwar in einer sehr ähnlichen Redeweise wie es vor einiger Zeit der [ehem.] Deutsche Kanzler Helmut Kohl machte. Bis zum Zerfall der UdSSR wurde die (west-) europäische «Einheit» durch die nukleare Präsenz der USA garantiert. Als der erste nachkommunistische strikt europäische Krieg in Jugoslawien losbrach, teilte sich Europa, und es waren die USA, welche sehr provisorisch die regionale Befriedung erzwangen, was etwas ganz anderes ist als Friede. Die militärische Fähigkeit, das heisst die Politik und Strategie der «Europäischen Union», ist gleich Null.

Dies privilegiert die Vorherrschaft der nordamerikanischen «Ostküste», von wo aus das grösste Zentrum der jüdischen Macht mit totaler Überlegenheit operiert – heute – in sämtlichen Machtebenen Washingtons. Dieses Machtzentrum übt nicht nur die Vorherrschaft über Europa aus, sondern seine Antreiber der Globalisierung spalten die eigene nordamerikanische Gesellschaft zutiefst.

Der Aufprall der Globalisation auf die nordamerikanischen Institutionen und auf die verschiedenen ethnischen und sozialen Gruppen ist zutiefst ungleich. Finanzgesellschaften, Dienstleistungsbetriebe und Universitäten des Typs «Beratung» profitieren enorm von der Globalisierung. Die von ihr am meisten begünstigten Gruppen sind jene, die über die nötigen Beziehungen, Talente und Hilfsmittel [Kapital] verfügen. Die Basis dieser Gesellschaft aber, die überaus grosse Mehrheit ihrer Einwohner, Neger, Latinos und «kleine Weisse» sieht sich durch die Globalisation immer mehr benachteiligt. Das bedeutet jedesmal auffälligere territoriale Brüche. Wie es nicht anders sein kann, geht der Bruch durch die Mitte der ethnischen Gruppen. Es gibt eine direkte Abhängigkeit zwischen der europäischen Machtlosigkeit und dem nordamerikanischen ethnoterritorialen Bruch.

Das Überordnen des Wirtschaftlichen und die politische und kulturelle Auflösung Europas sind die Beweggründe an der Basis für das Auflegen der «Einheitswährung», immer im Namen des Friedens und gegen den Krieg. Zum erstenmal in der europäischen Geschichte wird durch bürokratische und künstliche Zwangsmassnahmen nach einer Einheitswährung gerufen. Es bedeutet die Annahme einer Währungsreform sui generis, die – kurzfristig – einen Verlust von 35% der nationalen Ersparnisse in jedem einzelnen von dieser «Reform» betroffenen Staaten bedeutet.

Selbstverständlich ist das am meisten betroffene Land das «vereinigte» Deutschland, das einzige Land der «Union», in welchem die DM das Symbol der nationalen Identität ist. Die «Europäische Union» wird zu einem viel zu hohen Preis als Zahlung für die «Deutsche Einheit». Zudem stehen hier in Bonn [heute Berlin] tagtäglich die internationalen jüdischen Organisationen an, um neue Wiedergutmachungszahlungen zu verlangen. Diese Ordnung, die das Wirtschaftliche privilegiert und die Auflösung der herkömmlichen Kulturnationen bewirkt, ist ein wesentliches jüdisches Anliegen. Seine Prinzipien wurden schon durch Karl Marx und Werner Sombart analysiert.


Fussnoten

Aus dem Spanischen übersetzt von Ernst Indlekofer. Originaltitel:

La Conquista del Imperio Americano – El Poder Judio en Occidente y Oriente, 1998, Ediciones Al-Andalus, Madrid.

* Pentarchie: Herrschaft von fünf Mächten, wie z.B. Russland, England, Frankreich, Österreich und Preussen, 1815–1860.