«Hütet Euch vor modernen Landvögten!»

Nationalrat Christian Miesch (SVP) hat zur Feder gegriffen. Er habe diesen Sommer – so schreibt er unter der obigen Überschrift in irgendeiner Zeitung – auf der Rütliwiese der Aufführung des Wilhelm Tell von Friedrich Schiller, diesmal vom Deutschen Nationaltheater Weimar gespielt, persönlich beigewohnt. Und dabei habe er «eine Vielzahl moderner Landvögte» entdeckt, «nicht etwa auf der Spielwiese, sondern im Publikum». Landvögte, ärgert er sich, «die uns je länger je mehr das Leben schwer machen und uns der Freiheit berauben!» Endlich merkt es einer! «Ich traf Steuervögte, Gebührenvögte, den Präsidenten der Rassismuskommission, der uns in den Medien täglich vor Heimatliebe und Patriotismus warnt. Den Gessler von damals gibt es glücklicherweise nicht mehr, aber Hunderte von modernen Landvögten schränken unsere Freiheit ein.» Recht hat er, unser Nationalrat Miesch. Doch brauchen wir uns vor den modernen Landvögten überhaupt nicht zu hüten, denn sie sitzen schon längst in unserer Regierung zu Bern. Und der gute Herr Miesch ist sich offenbar nicht bewusst, dass er dieser illustren Gesellschaft selbst angehört. Wo er schon einmal so nah mit ihnen zusammen ist, wünschen wir ihm bei seinem Vorhaben, «die modernen Landvögte zu vertreiben», viel Erfolg. Irgend einer muss ja einmal damit beginnen.