Wann werden die Kriegsverbrechen in Nahost beendet?

Ben Hanoun, liegt im nördlichen Gaza-Streifen. Nachdem die israelische Armee erklärt hatte, dass sie sich aus der Stadt zurückgezogen habe, begannen die Massaker Morgens um 6 von neuem: Dutzende von Panzergranaten schlugen gleichzeitig ein. Es war schwierig für die Krankenwagen, die Verletzten zu bergen. Einige Granaten schlugen in einem Haus ein und tötete 11 Familienangehörige, einschliesslich eines 9jährigen Kindes und einer 73 Jahre alten Frau. Die Israeli bestätigten, dass Artilleriegranaten abgefeuert wurden, sie wüssten jedoch nicht, ob es um einen technischen Fehler oder menschliches Versagen handelte!

Aus Gaza wurde berichtet, dass einige der Getöteten getroffen wurden, nachdem sie einer Gruppe von Zivilisten zu Hilfe gekommen waren, die im ersten Bombardement verletzt worden waren. Gemäss Khaled Radi vom palästinensischen Gesundheitsministeriums handelt es sich bei sämtlichen Toten um Zivilisten, 7 Kinder und 4 Frauen, dazu mindestens 47 Verletzte. Der Direktor für Notfälle desselben Ministeriums, Dr. Moa’aweyah Hassanein sprach von einer neuen Runde israelischer Kriegsverbrechen. 19 unschuldige Zivilisten, davon 7 Kinder und 4 Frauen seien brutal ermordet worden, als sie in ihrem eigenen Hause schliefen. Dies erhöht die Zahl der palästinensischen Opfer allein in dieser Woche auf 83 Tote und mehr als 350 Schwerverletzte.

Der palästinensische Regierungssprecher Ghazi Hamad ersucht die Völkergemeinschaft, mobil zu machen und zu verhindern, dass Israel solche Massaker gegen unbewaffnete Menschen verübe. «Israel ist eine Nation ohne menschliche Werte und eine Schande für die moderne Welt», fügte er hinzu.

Der palästinensische Gesundheitsminister Bassem Naim erklärte, dass Tötungen für die Israeli eine Politik darstellen. «Ich habe keine Worte, um die hässlichen israelischen Massaker in Beit Hanoun zu beschreiben. […] Der Militärschlag beweist nur, dass Tötungen das Ziel Israels sind […]» Avigador Liebermann in der israelischen Regierung rufe Tag und Nacht dazu auf, Palästinenser zu töten. Die israelische Armee ziele auf Krankenwagen, Rettungssanitäter und Journalisten, um die Tatsachen zu verbergen, sagte Naim.

«Das Massaker in Beit Hanoun beweist, dass die israelische Regierung Kriegsverbrechen gegen Zivilisten begeht», sagte Knesset-Mitglied Talab El-Sana nach dem Ereignis. «Palästinensische Kinder und Frauen werden in ihren Häusern, im Bett ermordet. Olmert, Peretz und Halutz sind Kriegsverbrecher, die im ersten Krieg gescheitert waren und nun im zweiten Krieg Kriegsverbrechen begehen.» Er fordert «das Ende des andauernden Schlachtens» und sagte: «Panzer können den Traum eines Volkes von Unabhängigkeit und Freiheit nicht töten.»

Mohamed Athamneh, 37, sagte: «… Sie wollen hier jetzt den Sieg davontragen, nachdem sie in Südlibanon besiegt worden waren. Sie verstehen nur die Sprache der Gewalt. Sie sind Vampire, die keine Gnade kennen. Zerfetzte Kinderleichen liegen überall herum. Gott sei mit uns! Die ganze Welt drückt ein Auge zu.»

«Es ist der traurigste Anblick, es sind die traurigsten Bilder, die ich je gesehen habe», so der 29jährige Majed Kafarnah. «Ich sah blutüberströmte Leute aus einem Haus herauskommen. Ich fing an zu schreien, um die Nachbarn aufzuwecken.»

Mona Al-Zanoiun, 41: «Sie zerstören unsere Häuser …, sie töteten Frauen und Kinder, sie sind Verbrecher. Sie ermorden uns kaltblütig. Wo sind die Völkergemeinschaft und der Sicherheitsrat? […]»

Nidal Mater, 53: «Einmal mehr begehen sie Massaker gegen Zivilisten, aber sie werden unseren Geist nicht brechen. Wir werden unser Land nicht verlassen. Wir sind alle bereit für unsere Freiheit zu sterben.» Er fügte hinzu: «Sie benutzen ihr Waffenarsenal, um Kinder und Frauen zu töten. Sie sind Feiglinge. […] Ich frage mich, ob sie menschliche Wesen, so wie wir sind. Sie zerstören unsere Felder, unser Wasser, unsere Elektrizitätsversorgung und Infrastruktur […] überall ist Zerstörung, und sogar die Moscheen, die heiligen Orte, sind zerstört!»

Mahmoud Nasser, 33, sagte: «Wir hetzen von einem Trauerzelt zum anderen wegen der Militäroperation, die erst gestern endete, und schon müssen wir mit einem neuen Massaker fertig werden. Schwierige Bilder, tote Kinder, verletzte Kinder mit zerfetzten Gesichtern. Es ist unglaublich.» Er fügte hinzu: «Ganz Beit Hanoun ist mit nur einer Sache beschäftigt: Die Toten und Verletzten wegzuschaffen. All dies zwischen Pfützen von Blut, viel Blut und Körperteilen, neben einigen der Körper lagen die Schulmappen und die Pausenbrote von Kindern, die sich aufgemacht hatten, zur Schule zu gehen.»

Um Zeyad, 42, sagte, dass sie bei dem Vorfall 4 Kinder verlor: Muhanad, Mahdi, Arafat und Saad. «Ich bin stolz, die Mutter von ‹Shahids› (Märtyrern) zu sein. Es ist eine grosse Ehre, und wir beten zu Allah, uns zu entschädigen», sagte die Hinterbliebene. Sie fügte hinzu: «Die israelische Armee stahl vor zwei Tagen 1800 Dollar aus dem Haus meiner Schwester. Eine weitere Frau, die sich im gleichen Haus befand, versuchte den Soldaten daran zu hindern, das Geld zu stehlen. Er schlug sie mit seiner Pistole auf den Kopf, und sie verlor das Bewusstsein. Der Soldat verbot es einer Frau, Wasser zu bringen.» Es habe dort 42 Frauen und Kinder gegeben, die in einem einzigen Zimmer gefangengehalten wurden.

Ich fragte einen Mann, was passiert war, und er fing an zu weinen. «Es war ein bewegender Moment», sagte ein weiterer Mann. «Es ist normal, eine Frau weinen zu sehen, aber es ist sehr schwierig, einen Mann weinen zu sehen. Wir verloren unsere Häuser, Familienmitglieder, unsere Liebsten, und sie zerstörten unsere landwirtschaftlichen Felder, unsere [mehrere hundert Jahre alten] Zitrus- und Olivenbäume, die unser einziges Einkommen darstellen.» Am Schluss sagte er: «Heute sind die Palästinenser gegen einen einzigen Feind vereint.»


Fussnote

* Quelle: Zeit-Fragen, 8. Nov. 2006 „Sie schiessen auf alles, was sich bewegt“, Bericht eines Palästinensers aus Beit Hanoun. (Zeit-Fragen, Postf., 8044 Zürich)