Holocaust

Brief an die «Weltwoche»

Die Weltwoche brachte am 31. Mai 2007 einen Beitrag unter dem Titel «Seminar für Holocaust-Leugner». Darin offenbart sie typische Merkmale der gelenkten Systempresse: Beschimpfung und Verächtlichmachung von Staatsführern, Behauptungen bar jedes Beweises, Nachplappern aus anderen Medien, einseitige Parteinahme für die Israel-Lobby. Informationsfreiheit ist ihr kein Anliegen, womit sie Grundwerte, für die Europa 200 Jahre eingetreten ist, ablehnt. Den Beitrag schrieben Urs Gehriger und Pierre Heumann.

Sehr geehrte Herren

Ihr oben zitierter Beitrag (Seminar für Holocaust-Leugner) beginnt mit dem Hinweis auf die Bemühungen des kleinen Teams um EDA-Staatssekretär Michael Ambühl, das darum bemüht sei, «seit längerem» im Streit zwischen dem Mullah-Staat und der Weltgemeinschaft zu schlichten. Ich nehme Ihren Aufhänger zum Anlass, mit diesem zu beginnen:

Es interessiert mich nämlich, ob Ihre Redaktion auch schon der Frage nachgegangen ist, ob das «kleine Team» um Michael Ambühl (oder seines Vorgängers) sich schon einmal darum bemüht hat, Israel «an den Verhandlungstisch zurückzulocken», um es «mit verschiedenen Ideen» an die zwischen Nov. 1963 bis Dez. 1992 erlassenen 66 UNO-Beschlüsse zu erinnern, die im «Washington Report on Middle East Affairs» vom März 1993 aufgezählt sind, die Israel nicht einzuhalten gewillt ist?

Auch könnte «das kleine Team» einmal versuchen Israel zu bewegen, seine rund 200 Atombomben zu vernichten. Vielleicht könnte man dann den Mullah-Staat, wie Sie die Republik Iran nennen, eher von westlichen Ideen überzeugen.

Mit Ihrer Kritik an Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey wegen des vorgeschlagenen Seminars «zur unterschiedlichen Perzeption des Holocaust» missachteten Sie die der Presse obliegende Sorgfaltspflicht indem Sie ohne Not ein Vorhaben an die Öffentlichkeit brachten, das, wie Sie zugegebenermassen wussten, als «vertraulich» gekennzeichnet war. Warum setzten Sie sich darüber hinweg? Ihre Indiskretion nützt weder der Schweiz noch dem Iran, und der von Ihnen vorgeschobenen «Weltgemeinschaft» schon gar nicht.

Ihren eigenen Fehltritt, den Sie Bundespräsidentin Calmy-Rey andichten, kaschieren Sie mit der unwahren Behauptung, der iranische Präsident Ahmadinedschad (und andere Vertreter der iranischen Regierung) «hätten den Genozid an den Juden wiederholt in Abrede gestellt». Ich darf sicher voraussetzen, dass Ihre Redaktion das mehrere Seiten umfassende Interview des Magazins Der Spiegel mit Ahmadinedschad gelesen hat. In diesem hat er an keiner Stelle den Genozid an den Juden in Abrede gestellt, und schon gar nicht mehrmals, wie Sie ihm unterstellen.

Nach Ihrem unfreundlichen Angriff auf Calmy-Rey blieb ihr nichts anderes übrig als in der nationalrätlichen Fragestunde vom 18. Juni ihr Vorhaben hinter der Aussage zu verstecken,

«Der Holocaust ist eine absolut unbestreitbare historische Tatsache, die zu keinerlei Diskussion Anlass gibt. Es gibt keinerlei Auslegungsspielraum zur Frage über den Völkermord an den Juden.» (Schweizerzeit Nr. 18, 29. Juni 2007, S. 8. Hier aus dem Französischen übersetzt, ei.)

Indessen ist nicht anzunehmen, dass der Chefin des Aussendepartements die «neue Zahl der Opfer von Auschwitz auf Grundlage neuer Erkenntnisse durch neue Archivfunde» nicht bekannt sei. Dasselbe gilt auch für die Weltwoche, denn Henry M. Broder, den Sie zu Ihren freien Publizisten zählen, ist regelmässiger Autor des Spiegels. Es wäre daher vermessen, anzunehmen, er kenne den früheren leitenden Spiegel-Redaktor Fritjof Meyer und seinen Bericht über die «neuen Zahlen von Auschwitz» nicht. Demzufolge kennen auch Sie Meyers Bericht. Oder soll ich annehmen, dass über diese «heikelsten Fragen», wie Sie das Thema nennen, unter Ihnen nicht eifrig diskutiert wird? Solches anzunehmen wäre abwegig.

Ich bin der Meinung, dass Sie genau Bescheid wissen, jedoch Fritjof Meyers «neue Zahlen von Auschwitz» einer strikten Zensur anheimgestellt haben. Das geht «das dumme Volk» nun wirklich nichts an, wird Ihre Redaktion gedacht haben. Vorausgesetzt, meine Überlegungen seien richtig, dann ist Ihnen auch der einschlägige Gerichtsentscheid der Bundesrepublik Deutschland wegen Meyers Publikation bekannt (ich komme gleich darauf zurück). Um allfällige Einwände zu entkräften, weise ich jetzt schon darauf hin, dass man der Bundesrepublik Deutschland sicher nicht unterstellen kann, sie böte Relativierern ein Forum zur Leugnung des Genozids an den Juden an.

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Fritjof Meyer, geb. 1932, Diplom-Politologe, von 1966 bis 2002 leitender Redaktor des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, hat in einem umfangreichen Bericht in der Zeitschrift Osteuropa (Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens, 52. Jg. Heft 5/2002) die Auschwitz-Opfer um rund 90 % reduziert. Die Viermillionenzahl für Auschwitz-Birkenau nennt er «ein Produkt der sowjetischen Kriegspropaganda».

 
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Die bekannten «Geständnisse» des Auschwitz-Kommandanten Höss seien unter Alkoholeinfluss erpresst worden. Die bis heute einem Millionenpublikum in Birkenau und im Auschwitz-Museum vorgeführten «Gaskammern» hält Fritjof Meyer für falsch bezeugt. Man hätte diese Kammern nur «kontraproduktiv» betreiben können. Zumal die vorhandenen Belege eher auf «Versuche» deuten, Gas anzuwenden. Als Orte von Massenverbrechen seien die Bauten nicht geeignet gewesen. Statt dessen nimmt Fritjof Meyer neuerdings an, dass in zwei abgelegenen Bauernhäusern («Bunkern») rund 360’000 Menschen vergast worden seien.

Osteuropa ist eine Monatszeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V. (DGO). Die verantwortlichen Herausgeber sind Prof. Dr. Rita Süssmuth (Präsidentin), ehemalige Präsidentin des Deutschen Bundestages, u.a.m. Geschäftsführerin ist Dr. Heike Dörrenbächer. Chefredaktor ist Dr. Manfred Sapper. Die Zeitschrift Osteuropa erscheint in einem der angesehensten deutschen Verlage, der zum Imperium der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gehört. Wissenswert in diesem Zusammenhang ist der Umstand, dass Rita Süssmuth Jüdin ist. Gegen die genannten Personen wurde von privater Seite Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat am 28. Mai 2003 das Ermittlungsverfahren mit folgender Begründung eingestellt (Zusammenfassung):

«Die Anzeigeerstatter tragen vor, der Inhalt dieses Artikels stelle hinsichtlich der Zahl der Opfer von Auschwitz stark verharmlosende Behauptungen auf, weshalb sich die Beschuldigten der Volksverhetzung strafbar gemacht hätten. Die rechtliche Würdigung der Anzeigeerstatter ist unzutreffend. Ein strafbares Verhalten der Beschuldigten liegt nicht vor. Der Beschuldigte Meyer bleibt mit dieser Zahl [ca. einer halben Million, von denen ca. 356’000 in Gaskammern ermordet worden seien] zwar unterhalb der Zahl, die in anderen Studien genannt werden, gleichwohl kann wegen des Inhalts seines Aufsatzes ein Tatverdacht wegen eines Vergehens der Volksverhetzung gem. §§ 130 Abs. 3, Abs. 4 und Abs. 2 StGB nicht begründet werden. Der angeschuldigte Meyer grenzt sich in seinem Aufsatz klar von jedweden Bestrebungen, den Holocaust und seinen Schrecken zu verleugnen oder zu bagatellisieren, ab, indem er am Ende seiner Ausführungen ausdrücklich darauf hinweist, dass das Ergebnis seiner Untersuchungen «die Barbarei nicht relativiere, sondern verifiziere». Das Ermittlungsverfahren ist mithin gegen sämtliche Beschuldigte bereits aus rechtlichen Gründen einzustellen. Bock, Staatsanwältin.» (Aktenzeichen 4 Js 75185/02.)

Die Diskussion über den Völkermord an den Juden ist entgegen des Rückzugsgefechts von Bundespräsidentin Calmy-Rey längst Realität und hat durch Fritjof Meyer nochmals einen neuen Anstoss erfahren. Somit ist auch die Auseinandersetzung mit diesen «heikelsten Fragen» in vollem Gange und nicht mehr zu stoppen. Ihrem Hinweis auf die UNO, welche die «Leugnung» als inakzeptabel zurückgewiesen hat, kommt diesbezüglich wenig Bedeutung zu, denn es gab darüber keine Abstimmung. Der Redner hatte einfach seine Meinung geäussert und niemand antwortete ihm. Das Thema scheint dort bis auf ein paar wenige niemand zu interessieren.

Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gebietet: «Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäusserung: dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.»

Informations- und Meinungsfreiheit werden auch von der Schweizerischen Bundesverfassung garantiert. Die Verhinderung einer jeden Diskussion über den Völkermord an den Juden ist mit mittelalterlicher Inquisition vergleichbar. Die Verhinderung des freien Denkens und des Meinungsaustausches (Diskussion) sind ein Menschheitsverbrechen unter dem heuchlerischen Mantel angeblicher Rechtsstaatlichkeit.

Auch die oben erwähnte FAZ ist der Meinung: «Äusserungen über geschichtliche Vorgänge sind keine Fälle für das Strafrecht, es sei denn, man will bestimmte Thesen tabuisieren oder eine Denkart vorschreiben. Beides steht zur freiheitlichen Demokratie in Widerspruch.» (www.faz.net vom 12. März 2007). Es ist zu hoffen, dass auch der Weltwoche die freiheitliche Demokratie näher steht als eine Meinungsdiktatur.

Es würde mich interessieren, wie Sie die Diskrepanz zwischen Ihrem Bericht vom 31. Mai 2007 und meinen Ausführungen erklären. Auch nähme mich wunder, warum die Weltwoche die neuen Erkenntnisse, wie sie in der Zeitschrift Osteuropa publiziert worden sind, seit vier Jahren mit Zensur belegt hat. Für Ihre Antwort danke ich zum voraus bestens.

Mit freundlichen Grüssen
sig. Ernst Indlekofer
8. August 2007

Die Gedenksteine von Auschwitz

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