Spin doctors werden entlarvt

Systempresse verliert Abonnenten

In der NZZ vom 2. Oktober 2009 waren die neuesten Auflagezahlen der Tages- und Wochenzeitungen zu lesen. Diese werden von der Wemf AG für Werbemedienforschung ermittelt, sie gelten als Grundlage für die Insertionspreise. Je höher die Auflage, um so teurer der Anzeigepreis in der entsprechenden Zeitung. Die NZZ listete 35 kostenpflichtige Tages- und Wochenzeitungen der Schweiz auf. 25 davon zeigen in der Vergleichsperiode 2008/2009 sinkende Auflagezahlen, 2 unveränderte und 4 steigende Werte von 1 oder 2 %. Spitzenreiter bei den Minuswerten sind die welsche Bilan mit –16 %. In der Deutschschweiz die Stocks –8, Blick  –7 und Basler Zeitung, Sonntags-Blick, Sonntag und Finanz und Wirtschaft mit je –6 %. Bloss vier Titel erreichten eine Zunahme von 2 bzw. 1 %. Im Mehrjahresvergleich 2005/2009 erreichten nur 10 von 35 Titeln eine Zunahme. Alle andern liegen im Minus.

Barben J., Spin doctors im Bundeshaus
ISBN 9-783033-019164
Eikos Verlag, Baden, Fr. 28.80

Ein Verleger beklagte sich in der NZZ über die unzulängliche Presseförderung in der Schweiz. Er machte geltend, das Sterben der gedruckten Tagespresse «beeinträchtige die freie Meinungsbildung» und sei damit der Demokratie abträglich. Ein Leser schrieb darauf, er sehe dies ganz anders. «Erstens frage ich mich, wer eigentlich der Tagespresse den Auftrag erteilt hat, als Meinungsmacher für die Bürger tätig zu sein.» Die Presse solle im Gegenteil «ideologiefreie Informationen bringen», denn nur «bei sachlich korrekter Information kann der Leser sich selbst ein Urteil und eine eigene Meinung bilden». Die Tagesmeldungen der Medien gleichen sich jedoch wie ein Ei dem andern. Und die grosse Mehrheit der Leser macht sich das Gelesene dann unreflektiert zur eigenen Meinung.

Unsere Medien sind in den wichtigsten Gesellschaftsfragen gleichgeschaltet. Zum Beispiel darüber, dass wir den Banken Leihzins und dem Staat Steuern zahlen müssen oder, dass Hitler den Krieg begonnen und die Nazis Polen überfallen haben. Wir bezeichnen sie daher als «Systempresse», auch Radio und Television gehören dazu. Diese sind für das Entstehen übereinstimmender Meinungen verantwortlich. Sogar hauptverantwortlich, wie wir weiter unten noch sehen werden.

In dem kürzlich erschienenen Buch «Spin doctors im Bundeshaus» beschreibt Dr. phil. Judith Barben wie durch manipulative Psychotechniken Einheitsmeinungen erzeugt werden. Die Menschen neigen dazu, ihre Meinung der Mehrheit anzupassen. «Diese Neigung wird von politischen Manipulatoren skrupellos ausgenutzt», schreibt Barben. Und diese Techniken kommen bei jeder wichtigen Volksabstimmung, nach dem Moto «diese Abstimmung müssen wir gewinnen!», zur Anwendung. Das erste Mal sind uns die beschriebenen Techniken, allerdings ohne sie als solche wahrzunehmen, vor der Abstimmung zum Antirassismusgesetz aufgefallen. Und dann wieder bei der neuen Bundesverfassung und bei jeder für die Schweiz fundamental wichtigen Volksabstimmung immer wieder, bis heute. Unnötig, hier die manipulativ zustande gekommenen Abstimmungsergebnisse aufzuzählen, Judith Barben beschreibt viele davon. Um es vorweg zu nehmen: Über die Manipulationen zur Annahme des Antirassismusgesetztes steht nichts in ihrem Buch. Das verwundert nicht, weil die Autorin die Taktik der Medien kennt: Diese würden sofort über sie herfallen und Barben würde den Techniken der Ausgrenzung anheimfallen, genau wie die Medien die Mitglieder des Referendumskomitees mit Totschlagvokabeln ausgegrenzt haben.

An einer Stelle ihres Buches ist Judith Barben jedoch selbst auf das Spin doctoring hereingefallen. Auf Seite 28 zitiert sie nach einem Text von Carmichael Michael aus einer Rede von Reichspropagandaminister Goebbels:

«Wenn eine Lüge gross und ungeheuerlich genug ist und ständig wiederholt wird, beginnen die Leute allmählich an sie zu glauben […]. Aber die Lüge kann nur solange aufrechterhalten werden, wie es dem Staat gelingt, ihre politischen, wirtschaftlichen und militärischen Folgen vor dem Volk zu verbergen. Deshalb ist es absolut notwendig, dass der Staat seine ganze Macht einsetzt, um Andersdenkende zu unterdrücken. Die Wahrheit ist der tödlichste Feind der Lüge und – wenn sie verbreitet wird – des Staates.»

Mit diesem Auszug aus einer Rede Goebbels soll gezeigt werden, wohin die Verachtung und Unterdrückung der Wahrheit führt. Soweit ist das Zitat von der Sache her absolut richtig. Doch mit diesem Eingeständnis hätte Goebbels die Lüge nicht verborgen, sondern sie aufgedeckt. So viel Dummheit kann man ihm schwerlich unterstellen. Michael tut so – oder ist selbst auf den Spin doctor dieses Zitats hereingefallen – als ob Goebbels vom Staatsbetrug des Reiches berichten würde. Tatsächlich spricht er von den Lügen der englischen Regierung, um endlich den Krieg gegen das Deutsche Reich zu bekommen.

Der britischen Lüge wurde die Krone aufgesetzt, als die Abendausgabe des Daily Telegraph vom 31. August 1939 beschlagnahmt wurde. In dieser hatte der Daily Telegraph von Polens offiziell angekündigter Kriegsmobilmachung berichtet. Das englische Volk sollte nicht wissen, dass seine Regierung Polen nicht zu Verhandlungen mit dem Deutschen Reich über Danzig umstimmen, sondern lieber den Zweiten Weltkrieg herbeiführen wollte.


Hinweis

Das von Anfang bis Ende spannende Buch gehört in jede Schweizerfamilie. Viel was bisher unerklärlich war, wird uns plötzlich verständlich. Das Buch trägt wesentlich für den Fortbestand unserer einmaligen Volksdemokratie bei. Wir wünschen dem Buch eine gute Aufnahme bei unseren Lesern.