«Religion» als Herrschaftsinstrument

Eine Angelika Müller schreibt im Weltnetz über die Entdeckungen von Erich Bromme. Noch bevor sie anfängt, zitiert sie aus einem Nachwort von Hetmann in White 186: «Eine Welt voller Krieg, Gemeinheit und Aggressionen, eine Welt, in der Mächtige in der Lage sind, Frieden und eine gerechte Ordnung durchzusetzen und zu erhalten, wartet auf einen ‹guten König›, auf dem sichtbar Gottes Gnade ruht, dessen Autorität nicht nur die Macht, sondern die der geistigen Ordnung ist.» Dann schreibt sie von der Warnung Friedrich Nietzsches, der vor mehr als hundert Jahren die Meinung vertreten hatte, «dass wenn ‹Gott tot ist›, weil der Glaube an ihn unglaubwürdig geworden war, dies einen Schatten über Europa werfen werde.»

Könnte Nietzsche heute EU-ropa sehen, würde sich der grosse Philosoph dreimal im Grabe umdrehen! Schon im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts vertraten angesichts der alles niederreissenden Finanzherrschaft einige Denker und Theologen die umgekehrte Ansicht: Nämlich, dass Europa gerade wegen des Machtmissbrauchs mit christlicher Religion, der Zerstörung preisgegeben wird.

Nach Angelika Müller sind Brommes Ausgangspunkt die von der Theologie nie verstandenen Aussagen in Mose 2: 4,16; 6,3; 7: Mose wird von Gott zum «Gott» über Aaron und Pharao ernannt, Aaron zu Moses «Prophet», und der Herr-Gott ist zwar Abraham, Isaak und Jakob «erschienen», sein Name «Herr» wird ihnen aber nicht offenbart. Fazit: «Gott» ist ein Grossreichsherrscher [Kyros], der nicht zu glauben, sondern zu gehorchen verlangt. «Baal» ist die entsprechende Person auf der Gegen-, auf der Feindesseite. Mit Religion im eigentlichen Sinne hat das alles nichts zu tun.

Danach kommt Müller zur Ehrenrettung Brommes aber immerhin noch zur Feststellung, dass «seine Ergebnisse gegen die These spreche, dass Geschichtsschreibung als jüdische Erfindung eines kleinen, geknechteten, intelligent die katastrophischen Rituale sublimierenden Volkes in die Welt kam und stützen die [andere] These, dass sie als Herrschaftsinstrument (und damit immer zugleich – da interessengeleitet – als Geschichts-(ver)fälschung) in imperialen Staaten entwickelt wurde.» Da hätte die gute Frau Müller doch gleich auch noch die USA mit deren allmächtigen American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) nennen können, denn einen anderen imperialistischen Staat gibt es derzeit nicht.

Angela Müller: «Es war mir unmöglich, diese fünf Bände zu lesen.» Damit erübrigt es sich, die sanft gegen Bromme gerichtete Kritik zu erörtern. Allein schon Müllers Vorwurf, man würde vergeblich nach einer Darstellung Brommes Entallegorisierungs-Methode suchen, ist nicht haltbar. Nur schon Brommes Erklärung für die Methode seiner galiläischen Grenzbestimmungen geht über vier Buchseiten.

Es ist jedem unbenommen, Brommes Ergebnisse zu akzeptieren oder von sich zu weisen. Bromme ist immerhin ein Mann, der in zwei Fachbereichen promoviert hat (zwei Doktortitel) und hatte darüber hinaus aus seinen sonstigen Tätigkeiten wie prähistorische Ausgrabungen usw. für seine Forschungsarbeit Voraussetzungen, die man sich nicht besser denken kann. Man kann sich bloss darüber wundern, dass wegen seiner Entallegorisation des Gilgamesch-Epos keine Kritik aufgekommen ist. Doch hören wir, was Bromme dazu sagt:

«Und dieser ‹Gott› der Einbildung wurde der ‹Exponent des religiösen Gefühls›. Diese Tatsache erweist das, was man heute stolz noch ‹Religion› nennt und was nach Ansicht tendenziös erzogener und daher aufputschbarer Personen angeblich keinem ‹anständigen› und ‹wohlerzogenen› Menschen fehlen dürfe, um vollständig, charakterlich einwandfrei und vollwertig zu sein, als eine reine Glaubens- und Gefühlszüchtung, gehätschelt und gepflegt von gruppenegoistischen Organisationen und ‹geschützt› durch Staatsgesetze, die ihre Schöpfer und Erhalter im Hinblick auf den Begriff ‹Gotteslästerung› und ‹Verletzung des religiösen Gefühls› nicht bloss der Lächerlichkeit preisgeben.

Daraus folgt weiterhin zwingend, dass der so sehr verlästerte, verfemte, oft genug wegen seiner Weltanschauung in seinem beruflichen Fortkommen gehindert oder gar geschädigte ‹Gott- und Religionslose› der logisch Denkende und in seinen Denkleistungen der Bessere ist. Er kennt kein Wählenmüssen zwischen ‹zwei Herren›, weil er Humanist von Natur aus ist und dazu keiner Vorschrift und Weisung bedarf. –

[…] Was uns als vom AT beeinflussterreligiöserKult entgegentritt, ist streng genommenKaiserkult›, der den Perserkönig Kyros zum Mittelpunkt hat und heute noch von den Israeliten (Juden) betrieben wird. Den römischen, der dem jeweiligen Kaiser galt, lehnten die Essener und die sie nach der Zerstörung Qumrans (68 n. Chr.) und Jerusalems (70 n.Chr.) fortsetzenden ‹Christen› strikt ab und wurden deshalb als Staatsfeinde verfolgt. Dafür befolgten sie hartnäckig und militant ihren eigenen, der nur dem Begriff und Wesen, nicht aber auch der Person nach mit dem alttestamentlichen übereinstimmt. Ihr ‹Gott›, der politisch und ideologisch mit ‹Lehrer der Rechtschaffenheit› und militärisch mit ‹priesterlicher Lehrer› und ‹der wahre Hohepriester› bezeichnet wurde, war, weil die Evangelien ausschliesslich essenische Aufstandsgeschichte enthalten, niemand anders als ihr über die Mitglieder absolutistisch herrschendes Oberhaupt in der Hauptniederlassung Qumran, die jedoch keinKloster›, sondern ein straff organisiertes Mehrzweck-Internat darstellte.»

Geistiger Irrglaube zur Durchsetzung von Machtansprüchen kennzeichnet auch heute noch das Verhalten der führenden Politikerkaste der westlichen Welt – wobei das heutige Europa (die Schweiz davon nicht ausgenommen), an erster Stelle der Niederträchtigkeiten genannt werden muss – das nicht mehr dem Dienst am eigenen Volke gilt, sondern zugunsten jenes, angeblich von Gott auserwählten Volkes, womit die heutigen Potentaten ein krass volksfeindliches Verhalten an den Tag legen, und dies in einem Europa das einst dank seiner geistigen Elite in Kunst, Musik, Literatur, Forschung und Wissenschaft unbestreitbar als die gesamte Welt befruchtende Hochkultur galt. Dies Verhalten der heutigen Politikerkaste, dessen Konsequenzen wohl in absehbarer Zeit ihren unvermeidlichen Tribut fordern wird, wurde so weit getrieben, dass ein Rabbi Zvi Kook († 11.3.1982), ein israelischer Ultranationalist und Gründer des «Gush Emunim» (Block der Getreuen), 1980 in New York unwidersprochen eine Rede halten konnte, in der er eine die Christen, Moslems, Hindus und Buddhisten und alle anderen Religionen verhetzende, rassistische Aussage folgenden Inhalts machten konnte:

Chabad Rabbis mit Bush jun. im Weissen Haus. Bush ist Mitglied der «Skull and Bones»


«Wir sind Am Segula, das auserwählte Volk. Diese Auserwähltheit und Einzigartigkeit des jüdischen Volkes ist darin begründet, dass es einen Vertrag mit seinem Gott hat. Unser Gott versprach uns und unseren Nachfahren dieses Land. Er gab uns den ausdrücklichen Befehl, es zu besetzen. Würden wir dies nicht tun, so brächen wir den Vertrag und würden an Gott freveln. Über unseren Bund mit Gott können wir nicht verhandeln. Höret auf, Toleranz zu predigen und uns zu bedrängen!»


Gush Emunim versteht sich als Erneuerungsbewegung, die die Gründung Israels als Teil eines Erlösungsprozesses sieht, zu dem auch die Inbesitznahme von ganz «Eretz Israel» gehört. Die Ideologie der Bewegung fusst auf Messianismus, der Heiligkeit des Volkes Israel, der Heiligkeit des Landes Israel und der Heiligkeit der Tora. Mitglieder dieser Bewegung verübten zwischen 1979 und 1984 Bombenattentate auf palästinensische Bürgermeister. Dabei wurden die Bürgermeister, Bassam Shaka (Nablus) und Karim Halaf (Ramallah), verstümmelt. Die Gush Emunim betreibt zionistische, politische Machtpolitik. Sie kann daher für sich nicht beanspruchen, eine religiöse Bewegung zu sein. Religion gleich welcher Ausprägung hat sich auf geistige Art und friedfertig zu verhalten.

Die Chabad-Lubawitsch-Sekte, der Rabbi Zwi Kook zweifellos angehört hatte, repräsentiert den in der Diaspora neu errichteten Sanhedrin (oberste Regierung im alten Israel), zu dessen endzeitlichen Installierung Mose Katzav am 16. Oktober 2001 aufgerufen hat und sagte:

«Ich appelliere an die Rabbiner aller Richtungen des Judentums – die Oberrabbiner, den Rat der Tora-Weisen, den Rat der Tora-Höchsten, und an die bekannten rabbinischen Persönlichkeiten in Israel und der Diaspora – eine Dachorganisation zu schaffen, wie ein Sanhedrin.»

Der Sanhedrin gilt im Judentum als oberste politische und richterliche Instanz. Der Sanhedrin sei erstmals von dem (geschichtlich nicht nachgewiesenen) Mose einberufen worden. Man fragt sich, zu was ein jüdischer Sanhedrin gut sein soll, wo sich doch schon die Israelische Regierung über UNO-Beschlüsse hinwegsetzt.

zitiert nachfolgend einige Passagen aus einer an Juden gerichteten Rede, gehalten von Michael Samuel. Die Textstelle befindet sich im Buch von Wolfgang Eggert, «Erst Manhattan, dann Berlin. Messianisten-Netzwerke treiben zum Weltenende» (Chronos-Medien, München, 2005):

«Ich bin emeritierter Judaistik-Professor an der Concordia Universität von Montreal. […] Lesen Sie nachfolgend typische rassistische Passagen aus der «Likute Amarim» oder «Tanya», dem Grundlagenwerk der Chabad-Lubawitsch-Sekte. Das ist einer der bevorzugten Texte, welche die Gruppe für ihre Schulungen, ihr sogenanntes «Qutreach-Programm» verwendet. Bitte beachten Sie, dass ich ihre eigene, offiziell sanktionierte Englischübersetzung (herausgegeben von der im Kultbesitz befindlichen «Kehot Publication Society», New York – London, 1973) heranziehe. Im ersten Kapitel steht dort geschrieben:

«Die Seelen der Völker dieser Welt (also alle Christen, Muslime, Buddhisten usw.) stammen jedoch von den anderen, unreinen ‹kelipot› (bösen Kräften), die absolut nichts Gutes beinhalten.» (Seite 5 der zuvor genannten Werke). Des weitern steht geschrieben: «Indessen sind die ‹kelipot› (bösen Kräfte) in zwei Stufen unterstellt, eine tiefere und eine höhere. Die tiefere Stufe besteht aus drei ‹kelipot›, die allesamt unrein sind und böse, absolut nichts Gutes enthaltend. Aus ihnen rühren und stammen die Seelen von allen Völkern dieser Welt (also alle Christen, Muslime usw.), so auch ihre Körper, und auch Seelen aller lebenden Kreaturen die unrein sind und zum Konsum ungeeignet sind.» (Kapitel 6, Seite 25 der zuvor genannten Literatur).

Aus Platzgründen brechen wir die rassistischen Zitate an dieser Stelle ab. Der emeritierte Professor Michael Samuels entschied sich, diesen Weckruf auf dem Weltnetz bekanntzumachen. Er wird dort von mehreren Netzseiten in englischer Sprache verbreitet. Die Vorlesung Samuels bestätigt einerseits, dass auf den Grundlagen des Alten Testaments, dessen Ideologie der Verwünschungen und Vernichtung anderer Völker auch im Talmud Eingang gefunden haben und auch danach gehandelt wird. Dies bestätigte auch Professor Dr. phil. Hermann Wirth Roeper Bosch in einem Gerichtsgutachten vom 20. August 1957, in welchem er zur Frage des Talmuds folgende Antwort gab: «Die jüdische Jugend, im besonderen die Jugend orthodox-jüdischer Eltern, wird auch heute, nach Errichtung des Staates Israel, wie vordem und zu allen Zeiten, nach der Thora, dem Talmud und dem Auszug aus dem Talmud und den Erklärungen zu ihm, dem Schulchan Aruch, geschult. Im Staate Israel ist die ‹Bibel›, d. i. das Alte Testament, enthaltend die Thora (der Pentateuch), die Propheten (Nebi’im) und die Schriften (Kethubim), Hauptunterrichtsgegenstand in allen Grundschulen, als der religiöse, literarische und kulturelle Hintergrund der jüdischen Renaissance. In den Oberschulen ist dieses ‹Alte Testament› Gegenstand einer schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfung für alle Schüler. Die Abiturienten der Abteilung für Künste und Sprachen werden einer besonderen Prüfung in Literatur und Geschichte des Talmud unterzogen.»

Andererseits ist die rassistische Ideologie kein Kennzeichen der Juden an und für sich, sondern beschränkt sich auf die orthodox ausgerichteten Juden, und wie wir wissen noch nicht einmal auf alle von diesen. Weltweit zählen knapp 18 Millionen Menschen zur «jüdische Religion». Die Ultraorthodoxen der Chabad-Lubawitsch und Gusch Emunim Sekte sind eine verschwindende Anzahl von diesen. Das Prekäre an der ganzen Sache ist, dass die inneren Kreise dieser messianistischen Armageddonfanatiker über grossen Reichtum und Einfluss verfügen. Schlimmer noch ist aber das erbärmliche Verhalten der irren Nicht-Juden, die in allem nachgeben.


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Univ.-Prof. Roeper Bosch war Kustos in Religion und Vorsitzender der Europäischen Sammlung für Urregligionsgeschichte e. V. in Marburg/Lahn.