Wollen die Medien den 3. Weltkrieg?

Unbesonnen ihrem linken einzig möglichen Denkschema folgend, stempeln sie Mahmud Ahmadinedschad, Staatspräsident des Iran, zum gefährlichsten Mann der Welt: Zugleich Atombombenstratege und Holocaust-Leugner. Sie ermöglichen USraels Angriffskrieg durch eine von ihnen angefeuerte europäische Allianz zum Armageddon.

Teil 1

ZDF-Interview von Claus Kleber mit Ahmadinedschad
am 19. März 2012 in Teheran.

 

Mahmud Ahmadinedschad: «Aber wir verstehen nicht, warum die grossen europäischen Länder ihren Abstand
zu den USA nicht klar definieren. Das muss geklärt werden.»

 

Guten Tag Herr Präsident. Wir haben uns seit zwei Jahren darum bemüht, ein Interview mit Ihnen zu bekommen. Nun ist es möglich, warum gerade jetzt?

 

Im Namen Gottes möchte ich alle Menschen, die dieses Gespräch hören, zuerst begrüssen, auch das Deutsche Volk, und ihnen ein gutes Jahr mit Gesundheit und Erfolg wünschen [pers. Neujahr, 20./21. März (Nouruz)]. Ich bin interessiert am Gespräch mit Medien, vor allem mit deutschen Medien, aber die Zeit, Sie wissen ja, die Termine müssen festgelegt werden, und als Präsident hat man sehr viele Aufgaben zu versehen. Aber ich bin froh, dass ich endlich diese Möglichkeit und Zeit habe, mit Ihnen zu sprechen.

Menschen in Europa, speziell in Deutschland, schauen mit grosser Spannung auf diese Region im Moment und fürchten, dass ein Krieg möglich sein könnte. Haben Sie eine Botschaft in diesem Zusammenhang heute?

 

Können Sie uns sagen von welcher Seite Kriegsgefahr droht und warum?

Sie wissen so gut wie ich, dass Israel mit einem Angriff auf Iran droht, wenn sich die Frage des Nuklearprogramms nicht anders lösen lässt.

 

Warum muss Israel drohen?

Weil Iran bis heute sich weigert, sein Atomprogramm restlos offenzulegen.

 

Zeigen die Zionisten in ihrer Nuklearfrage Klarheit und Transparenz? Sie haben mehr als 250 atomare Sprengköpfe. Ist das kein Problem, wenn sie so ausgestattet sind?

Israel gehört nicht zum Atomwaffensperrvertrag, es hat keine vertragliche Verpflichtung das offenzulegen. Iran hat diese Verpflichtung.

 

Heisst das, dass jeder der nicht Mitglied des NPT-Vertrages1 ist, frei ist zu tun, was er will?

So ist das wohl.

 

Heisst das, wer Mitglied des NPT-Vertrages ist, darf entrechtet werden? Und die Zionisten dürfen einem anderen Land das Mitglied des IAEO2 ist, drohen? Wir sind prinzipiell gegen die nukleare Bombe. Aus unserer Sicht ist das eine unmenschliche und unmoralische Waffe. Allerdings sind jene, die solche Waffen haben nicht in der Lage, diese einzusetzen. Die Zeit der Atombombe ging nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende und wurde einfach begraben. Konnten die Zionisten gegen die Hamas [palästinensische Widerstandsbewegung] oder gegen die Hisbollah [iranische «Partei Gottes»] mit ihren Waffen vorgehen? Oder konnte die Atombombe die Sowjetunion retten? Oder konnten die Atombomben den USA helfen? Also die Atombombe gehört zum Arsenal des letzten Jahrhunderts. Wer so etwas sucht, ist in Geschichte und Humanität zurückgeblieben. Ebenso in der Politik. Aber meine Frage ist: Warum haben ein paar Zionisten das Recht, allen anderen Menschen zu drohen? Gibt es ein ungeschriebenes Gesetz wonach die Zionisten über allen internationalen Regelungen, Gesetzen und Vorschriften stehen? Das heisst, dass sie ihre Rechte auch gegenüber dem amerikanischen Volk durchsetzen und dies sogar mit Gewalt? Und das gleiche auch in Europa tun? Auch im Iran? Töten, terrorisieren, zerstören! Haben sie dieses Recht? Die Frage lautet: Warum werden die Zionisten von den europäischen Staaten blind unterstützt? Warum muss das Kapital und Geld der europäischen Völker für die Zionisten ausgegeben werden? Und auch dafür, dass Iran bedroht wird? Iran ist kein künstliches Land. Es ist auch kein besetztes Land. Auch kein Besatzungsregime. Iran hat zehntausend Jahre Geschichte und Zivilisation. Es ist ein souveränes Land.

Aber ist denn Israel ein künstliches Land?

 

Ja sicher, das wissen Sie auch. Das wissen auch die anderen, wie dieser Staat, dieses Regime zustandegekommen ist. Das war eine kolonialistische Planung, das weiss jeder. Entstanden durch eine Lüge. Die sind niemals Herrscher dieses Landes gewesen; die haben Geschichte mit dem Namen Holocaust gemacht und die Schäden, die Kosten müssen die Palästinenser dafür bezahlen. Während das palästinensische Volk überhaupt keine Rolle dabei gespielt hat. Weder beim Zweiten Weltkrieg noch bei den Ereignissen danach.

Ist das der Grund dafür, dass Sie einmal gesagt haben, dieses Land wird von der Landkarte verschwinden?

 

Wir sagen, dass die Besatzung und das Verbrechen verhindert werden müssen. Lügen, Angriffe gegen Kinder und Frauen – Terrorismus. Wir sind gegen diese Sachen, wir sind gegen diese Phänomene. Wenn es heute in Palästina eine freie Abstimmung über die Art der Regierung geben würde, was würde dann passieren? Das ist, was wir sagen wollen.

Lassen Sie uns über Iran und das Atomprogramm sprechen, das die ganze Welt interessiert. Dieses Problem liesse sich lösen, wenn die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde endlich in Iran den Zugang bekommen würden, den sie verlangen. Restlose Offenlegung, Besuch aller Einrichtungen, keine Spiele mehr mit Terminen. Haben Sie vor, diesen Zugang jetzt zu geben?

 

Die meisten Zugänge hat die IAEO in Iran. Am meisten Zusammenarbeit haben wir mit dieser Agentur geleistet. Die Dokumente beweisen das. Aber es gibt zwei, drei Probleme. Erstens: Die IAEO arbeitet nicht selbständig. Sie ist beeinflusst von Grossmächten. Ich frage Sie; wenn wir im UN-Sicherheitsrat ein Vetorecht hätten, würde die IAEO genau so gegen uns vorgehen? Oder wenn wir zu den Ländern gehörten, die im amerikanischen Block stehen, würde dann die IAEO weiterhin so mit uns vorgehen? Hier liegt das Problem. Es ist die Verfahrensweise bei der IAEO. Die IAEO sagt uns, wir müssen nachweisen, dass wir sauber sind, dass wir korrekt sind. Wie kann man das beweisen? Wie kann man beweisen, dass man nicht krank ist? Nur Krankheit kann man beweisen.

Indem man alle Türen öffnet.

 

Würde Deutschland erlauben, dass ein Büro, das Büro der Bundeskanzlerin von Inspektoren zum Beispiel...?

Deutschland hat noch nie einen Zugang verwehrt, den die Inspektoren haben wollten.

 

Das heisst, Deutschland erlaubt der IAEO ausserhalb der Gesetze zu handeln? Bei der IAEO gibt es auch Regelungen und sie hat einen Vertrag mit uns. Unsere Souveränität darf auf dieser Grundlage von der IAEO nicht verletzt werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass unsere Geheiminformationen unseren Feinden zur Verfügung gestellt worden sind. Wir haben zusammengearbeitet, wir haben die Namen unserer Atomwissenschaftler der IAEO gegeben, und die haben das veröffentlicht. Unsere Wissenschaftler sind durch die Zionisten terrorisiert worden, einige sind umgebracht worden. Wer muss jetzt die Verantwortung dafür übernehmen? Verteidigt die Regierung der Bundesrepublik Deutschland die Rechte unserer Atomwissenschaftler? Es gibt klare Vorschriften bei der IAEO. Nach diesen Vorschriften können wir die maximale Zusammenarbeit mit der IAEO erbringen. Aber sie will mehr. Alle Verteidigungsinformationen haben sie an unsere Feinde weitergeleitet. Wir sind das einzige Land dessen nuklearen Informationen und [andere] Daten überall auf der Welt verbreitet worden sind. Das steht im klaren Gegensatz zu den Regelungen der IAEO. Es tut uns leid, dass die IAEO unter dem Druck des politischen Einflusses handelt. Lassen Sie mich einen letzten Satz sprechen: Wir sind gegen die Atombombe. Wir würden niemals eine Atombombe bauen. Aber wenn wir sie bauen wollten, dann haben wir keine Angst vor niemand. Wir würden es ganz klar und deutlich erklären, dass wir so etwas tun. Kennen Sie in unserer Geschichte irgendeine Zeit in der das iranische Volk vor irgend jemand Angst gehabt hatte? Wenn Ahmadinedschad eine Bombe bauen wollte, würde er das bekanntgeben. Und er würde auch keine Angst vor jemand haben. Und wenn wir sagen, wir bauen keine Bombe, bauen wir auch keine. Wir wollen, dass das Gesetz eingehalten und respektiert wird. Gerechtigkeit! Dass alle die gleichen Rechte vor dem Gesetz haben. Es kann nicht sein, dass gewisse Länder für uns ein Sondergesetz definieren. Das geht nicht! So kann man die Welt nicht in Ordnung bringen. Das gehört zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, als man die Welt neu eingeteilt hatte. Jetzt leben wir in einer anderen Zeit.

Herr Präsident, die Welt schaut auf dieses Interview. Angesichts der gegenwärtigen Spannungen wird gefragt werden: Gibt es heute ein Zugeständnis von Präsident Ahmadinedschad? Nach allem, was ich jetzt gehört habe, gibt es das nicht.

 

Wir waren immer dafür, die Spannungen zu reduzieren oder zu beseitigen. Man muss die Wurzeln der Spannungen finden. Welche Wurzeln haben diese Spannungen? Diese sind Ungerechtigkeit und Diskriminierung. Das sind die wahren Gründe für die Spannungen. Dass einige Länder sich zusammensetzen und die Welt regieren wollen. Wer hat den Irak besetzt? Iran? Wer hat Afghanistan besetzt? War das Iran? Wer verursacht all diese Spannungen? Eine Besatzung ist schlecht, das darf nicht sein. Es darf keine Kriege geben. Es darf keine Diskriminierungen geben. Die Völker dürfen nicht entrechtet werden. Alle Völker und Nationen müssen respektiert werden. Sind solche Forderungen etwas anderes als Entspannungs­versuche oder Entspannungspolitik? Wir haben sogar die Führungspersönlichkeiten der USA zum Dialog eingeladen. Wir haben unsere Bereitschaft erklärt, vor den Vereinten Nationen in Gegenwart von Medienvertretern miteinander zu sprechen. Aber wir haben doch keine Feldzüge gemacht! Nicht wir haben das palästinensische Landesgebiet besetzt. Wer verursacht diese Spannungen? Welche Ursachen haben diese Spannungen? Lassen Sie mich fragen: Welche Schuld hat das deutsche Volk? Warum muss das deutsche Volk von den Zionisten bestraft werden? Die neu Geborenen [nach dem Krieg geborenen] in Deutschland, welche Sünden haben diese begangen? Haben sie irgendeine Schuld…

Kleber unterbricht: Ich möchte gerne weg…

 

vor siebzig Jahren gab…

Ich würde gerne dieses Thema wechseln (Ahmadinedschad lächelt) und zur konkreten Situation kommen! Sie haben gesagt, wenn es zu einem israelischen Angriff kommen sollte, werde die Vergeltung apokalyptisch sein. Was meinten Sie damit?

 

Das habe ich jetzt nicht gesagt, sondern früher einmal. Ja, was würde denn Deutschland tun, wenn es angegriffen würde? Man wird doch nicht tatenlos zusehen.

Kleber unterbricht (unverständlich).

 

Egal welches Land. Wenn ein Land angegriffen wird, zum Beispiel die USA, was machen dann die Amerikaner? Werden sie die Waffen strecken, aufgeben oder lächeln? Was würden sie tun? Sie werden sich verteidigen, das ist doch klar. Das würden auch wir tun! Wir sind eine grosse Nation. Wir sind auch stark. Das muss auch gesagt werden. Das zionistische Regime ist sehr klein. Es ist nur ein Instrument der Amerikaner. Selbst haben sie gar nichts. Das sind kulturlose Menschen, die Menschen morden. Also, machen Sie keinen Vergleich mit der iranischen Nation. Es ist überhaupt nicht vergleichbar. Das iranische Volk lebt seit Tausenden von Jahren in diesem Gebiet. Woher sind diese [zionistischen] Menschen gekommen? Diese haben die Palästinenser vernichtet. Sie bombardieren jeden Tag, sie terrorisieren die [palästinensischen] Menschen…

Kleber unterbricht: Es bringt uns nicht weiter, Iran und Israel ständig zu vergleichen, weil uns das nicht zu einem Ergebnis bringt. Die Tatsache ist: Iran hat vielleicht ein, zwei Dutzend Plätze an denen interessante militärische Forschung betrieben wird. Wenn Sie diese Plätze alle öffnen, wenn Sie zeigen, dass Sie nichts zu verbergen haben, ist die Krise vorbei. Warum will die alte Kulturnation Iran diesen Schritt nicht machen?

 

Ich habe Ihnen doch die Antwort gegeben. Zwei Gründe gibt es dafür. Es gibt einerseits IAEO-Regeln und die IAEO muss ihren Vorschriften entsprechend handeln. Weiter werden unsere Informationen unseren Feinden zur Verfügung gestellt. Sie wissen, was das bedeutet, wenn man vor den Augen seiner Familie, seiner Frau und seiner Kinder terrorisiert wird, wie hier ein Universitätsprofessor, ein Wissenschaftler, unbewaffnet, ein Physikwissenschaftler. Er war überhaupt nicht auf der Suche nach irgendwelchen Waffen… er ist terrorisiert worden. Hat irgend jemand derjenigen, die von Rechten in der Welt sprechen, sich dazu gemeldet und es bedauert? Wir haben eine lange Periode über die Regeln der IAEO hinaus mit ihr zusammengearbeitet. Das Ergebnis ist, dass wir noch härter bestraft werden! Wir wurden entrechtet! Wir haben freiwillig ausserhalb der IAEO-Regelungen zusammengearbeitet und jetzt kooperieren wir auch, aber unsere Wissenschaftler werden terrorisiert [ermordet, Anm. d. Red.]. Und wahrscheinlich werden sie morgen, wenn sie Zugang haben auch unsere militärischen Informationen an unsere Feinde weitergeben. Wir sagen, wenn es Gesetze gibt, müssen diese Gesetze für alle gelten. Die Regelungen der IAEO sind der Massstab. Und unparteiische, internationale Rechtswissenschaftler sollen darüber urteilen. Ich sage Ihnen; mit Druckausübung wird die nukleare Frage Irans nicht gelöst. Man muss das Recht Irans respektieren, anerkennen und mit Iran sprechen. Die Geschichte hat gezeigt, dass man das iranische Volk nicht beleidigen darf. Ich wundere mich, dass die europäischen Länder – welche Rolle spielen eigentlich die europäischen Länder in diesem Zusammenhang? Warum sind die europäischen Länder gegen uns? Was haben wir ihnen getan? Wir haben in der Geschichte vielleicht einmal etwas gegeneinander gehabt, aber nicht jetzt.

Kleber unterbricht: Nur ein konkretes Problem…

 

Das heisst, sie helfen alle zusammen nur den Zionisten. Ja, sagen Sie mir, welches Problem?

Das konkrete Problem ist eben die Offenlegung der Dokumente und der militärischen und wissenschaftlichen Institute. Aber wir drehen uns ihm Kreis. Wir beide uns jetzt auch.

 

So ist es. Wir reden jetzt wie europäische Politiker (Kleber lächelt), also nicht rechtlich, sondern politisch. Wir wollen hier aber über die Rechte sprechen, über die technischen Fragen, nicht politisch. Alle unsere Nuklearanlagen werden durch Videokameras der IAEO überwacht. Und nach dem Vertrag dürfen sie ausserhalb dieser nuklearen Anlagen nichts anderes besichtigen. Aber sie wollen Druck ausüben und auch Zugang zu anderen Orten haben. Das ist gegen das Gesetz. Die Gesetze sind überall einzuhalten. Das ist eine politische Angelegenheit gegen uns, das weiss ich. Aber welches Problem hat Deutschland mit uns? Wenn die Amerikaner keinen Druck ausüben, werdet ihr, die Bundesrepublik Deutschland gar keine Probleme haben. Drohen wir der Bundesrepublik Deutschland? Wann haben wir gedroht? Welches europäische Land haben wir bedroht? Haben wir irgendwie ihre Interessen...

Kleber unterbricht: Die europäischen Länder, die Vereinigten Staaten, wir alle haben den Eindruck, dass die Zeit abläuft. Der amerikanische Präsident sagt das, viele europäische Politiker sagen das, glauben Sie, dass diese bluffen? Lassen Sie es darauf ankommen?

 

Ich frage Sie, warum haben die europäischen Länder unseren Schah [Reza Pahlavi], den Schah von Iran unterstützt? Die waren doch auch bereit, ihm atomare Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. Es gab zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Iran einen Nuklearvertrag. Das Atomkraftwerk Buschehr [engl. Bushire, Stadt in der gleichnamigen Provinz] musste zuerst…, also es war vereinbart, dass die Deutschen das bauen. Warum hat man diesen Vertrag einseitig aufs Eis gelegt? Sie wissen es bestimmt. Weil es im Iran eine Revolution gegeben hat. Das iranische Volk hatte einen Diktator beseitigt und eine Republik gegründet. Seit 33 Jahren werden wir seither bestraft. Weil wir gewagt haben eine Republik einzuführen. Das ist das Problem. Kein anderes.

Deutschland, das Volk hatte grosse Sympathien für die iranische Revolution. Aber es erlebt jetzt auch ein Land, über das gesagt wird von ernst zu nehmenden Menschenrechtsorganisationen, dass hier die Opposition unterdrückt wird, dass Oppositionelle verhaftet werden, in Gefängnissen gefoltert werden, streng bestraft werden. Das ist nicht das, was Deutschland oder der Rest der Welt von der iranischen Revolution erwartet hat.

 

Wir lieben das deutsche Volk. Und wir lieben auch die Bundesregierung. Wir lieben alle. Wir sind gegen die Besatzung. Wir sind gegen Terror. Und gegen den Krieg. Wir sind gegen Diskriminierung. Aber ich frage jetzt: Geht es tatsächlich um die Menschenrechte? Überall in der Welt habe man die Menschenrechtsprobleme gelöst, nur in Iran sind sie ungelöst geblieben? Nein! Sind diese Probleme in den besetzten palästinensischen Gebieten gelöst worden? Sind die europäischen Länder und die USA genau so streng mit Israel wie uns gegenüber? Es gibt Länder in unserer Region, in denen bis jetzt in der Geschichte keine einzige Wahl zustandegekommen ist, und die töten auch... [Übersetzung bricht ab. Filmzeit 27:11 Min.].

Kleber unterbricht (unverständlich) … für Iran? Sie sollen doch andere Massstäbe haben.

 

Und genau deswegen bewerten wir das Verhalten der europäischen Regierungen. Wir wollen wissen, ob sie uns gegenüber aufrichtig sind oder nicht. Geht es tatsächlich um die Menschenrechte? Oder ist die Nuklearfrage ein Politikum? Wenn es um die Menschenrechte geht, dann muss man alle gleich behandeln. Dann müssen vor dem Gesetz alle gleich sein. Warum werden nur die Länder an den Pranger gestellt, die gegen die Politik der USA sind? Aber die Freunde der USA dürfen tun, was sie wollen. Der Schah im Iran war ein Diktator. Und alle waren befreundet mit ihm. Und Menschenrechtsfragen gab es nicht.

Deutsche haben damals gegen den Schah demonstriert! Ein junger Student in Deutschland ist gestorben bei solchen Demonstrationen.

 

Ja, das ist richtig. Wir diskutieren nicht mit dem Volk. Wir wissen, dass auch jetzt das deutsche Volk für uns ist. Das können wir prüfen, wenn wir wollen. Machen wir ein Referendum in Deutschland. Dann schauen wir, was die Deutschen über uns sagen. Es geht um die Regierungen! Die Völker haben kein Problem miteinander. Jetzt habe ich noch eine andere Frage: Gibt es in Europa tatsächlich Menschenrechte? Werden die Menschenrechte in Europa respektiert und eingehalten? Warum darf man in Europa nicht frei über den Holocaust forschen? Wie viele französische Wissenschaftler sind jetzt im Gefängnis? Menschenrechte sind ein globales Problem. Und das menschliche Recht ist auch ein globales Problem. Die menschlichen Werte dürfen nicht instrumentalisiert werden für politische Zwecke. Alle Menschen zusammen, die Denker müssen zusammen ins Gespräch kommen und ein gemeinsames System, eine gemeinsame Ordnung definieren. Das darf man nicht als Vorwand nehmen, um auf andere Druck auszuüben. Es gibt überall Probleme. Niemand kann sagen, wir haben keine Probleme. Deutschland hat auch Probleme und Frankreich, England und die USA haben auch Probleme. Und die Länder unserer Nachbarschaft um uns herum haben auch Probleme. Vielleicht haben auch wir Probleme. Wir müssen alle zusammen ins Gespräch kommen und über die Probleme sprechen. Dass die europäischen Politiker sich als Massstab für das was Gut oder Böse ist, ausgeben, ist aber nicht akzeptabel.

Ich kann Ihnen sagen, was das Deutsche Volk jetzt von unserem Gespräch erwartet: Ein Zugeständnis, eine Öffnung Irans in dieser kritischen Atomfrage. Muss ich jetzt zurückgehen nach Deutschland und sagen, der iranische Präsident hat seine Anklagen gegen Israel, gegen Deutschland und die USA wiederholt? Aber keinerlei Beweglichkeit gezeigt?

 

Wir waren immer bereit für Kooperation und wir haben wirklich am meisten für die Zusammenarbeit geleistet. Wir sind auch jetzt bereit, zu kooperieren. Aber ich glaube, wir haben verhältnismässig gesehen die gleichen Rechte, wir beide, wie das deutsche Volk. Ich bin eine Person und Sie sind auch eine Person. Keiner von uns kann sich als Vertreter des deutschen Volkes bezeichnen. Ich respektiere Sie allerdings. Aber ich glaube, man muss erlauben, dass das deutsche Volk seine Meinung sagt. Das ist genau das, was in Europa nicht möglich ist. Das europäische Volk kann seine Meinung nicht frei äussern. Allerdings muss ich auch sagen, dass es in Deutschland noch besser aussieht als anderswo. In Frankreich werden die Menschen einfach entrechtet und in Grossbritannien werden sie auf der Strasse niedergeschlagen. Was müssen die Europäer jetzt tun, wenn sie mit der aktuellen Situation nicht zufrieden sind? Was müssen die Engländer tun, wenn sie ihr politisches System nicht mehr wollen?

Das ist kein Problem; sie schreiben in Zeitungen, sie können demonstrieren, und sie werden nicht geschlagen und verhaftet.

 

Sie werden aber mit Knüppeln geschlagen [er meint niedergeknüppelt, zeigt an den Kopf]. Wir haben ja Frauen gesehen, die auf der Strasse [mit Handschellen] gefesselt werden.

Kleber unverständlich [vermutlich: dasselbe haben wir] … auch im Iran gesehen.

 

Ja, das kann sein, überall gibt es das, es ist ein allgemeines Problem. Aber niemand darf sich als Ausnahme bezeichnen. Menschenrechte dürfen nicht als Instrument der Politik benutzt werden. Das ist eine menschliche Angelegenheit. Alle zusammen müssen eine Struktur, ein System definieren, einen richtigen Massstab. Es kann sein, dass wir in unserer Kultur mit bestimmten Sachen keine Probleme haben, aber aus Ihrer Sicht halten Sie es für problematisch. Und umgekehrt. Das kann man nur durch Dialog regeln. Menschenrechte sind etwas Humanes; sie dürfen nicht als Kriegsinstrument benutzt werden oder als Instrument der Politik. Man wird auf diese Weise auch keine Ziele erreichen. Die jetzige Art des Managements der Welt ist falsch. So kann man die Welt nicht regieren. Man muss die Welt mit Liebe, mit Freundschaft, mit Gerechtigkeit in Ordnung bringen. Alle Menschen müssen respektiert werden. Und alle müssen beteiligt werden. Es gab ja eine lange Zeit wo europäische Länder als Kolonialmacht agierten in der Welt. Deutschland zählte allerdings nicht zu diesen. Mit diesem kolonialistischen Denken mit unterschiedlich gefärbten Menschenrechten kann man nicht weiter regieren – die Welt hat sich verändert. Alle Menschen müssen vor dem Gesetz gleich sein. Wir lieben alle und wir suchen keinen Krieg, gegen kein Land. Wir wollen auch keine Atombombe. Wir suchen auch keine Konfrontation mit den Europäern. Wir haben die europäischen Nationen immer respektiert. Jedesmal, wenn die europäischen Länder uns gegenüber Unrecht gezeigt haben, haben wir Zurückhaltung geübt. Wir verstehen, dass Europa jetzt ein Wirtschaftsproblem hat. Wir haben nicht versucht, diesen Druck zu erhöhen. Wir waren zurückhaltend. Wir wissen, dass wenn wir wirtschaftlichen Druck ausüben würden, auch das deutsche Volk davon betroffen wäre.

Sie meinen, Iran könnte Druck auf Deutschland ausüben? Wirtschaftlichen Druck, den das deutsche Volk spürt?

 

Ja sicher, ich meine zwar Europa, nicht Deutschland speziell. Ja, das könnten wir, warum nicht? Wir haben 24 Mrd. Dollar Handelsaustausch. Das sind 200-, 300-Tausend Arbeits­plätze. Diesen Handelsaustausch könnten wir mit einem anderen Land tätigen. Wenn wir heute plötzlich 300’000 zusätzliche Arbeitslose in Europa haben, wie sieht das dann aus?

Iran steht unter Sanktionen, nicht Europa.

 

Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Wir bekommen das schon hin. Nach meinem Dafürhalten sind Sanktionen die falsche Tonart und aus meiner Sicht nicht schön. Das ist nicht die richtige Art des Umgangs mit einer grossen Nation, eine Nation, die logisches Verhalten vorzieht und Zusammenarbeit wünscht. Wenn wir Druck ausüben, werden nicht die Politiker in Europa davon betroffen sein, diesen geht es finanziell gut. Aber das einfache Volk würde Probleme haben, wenn wir wirtschaftlichen Druck ausübten. Daher sahen wir davon ab. Wir wollen nicht so handeln, dass wir alle Brücken niederreissen und später nicht mehr miteinander sprechen können. Es muss doch irgendwann eine Zeit kommen, in der euro­päische Politiker wieder selbständig handeln.

Sie glauben, dass die europäischen Politiker nur Marionetten der USA sind, das glauben Sie wirklich?

 

Also diese Worte habe ich nicht benutzt! Aber ich frage, welcher Unterschied in der Politik der Amerikaner und der Europäer besteht. Erklären Sie das, damit es die Welt versteht und damit auch wir es verstehen. Vor der iranischen Revolution waren die USA die herrschende Macht in unserem Land. Sie haben den Schah verteidigt und der Schah war sehr brutal. [Unverständlich] ... und wir haben eine Revolution gehabt und die Amerikaner nach Hause geschickt. Seit 33 Jahren sind die Amerikaner unsere Feinde. Und die europäischen Länder machen mit. Warum?

Ist Deutschland, die deutsche Regierung, Ihr Feind?

 

Nein, nein, nein. Ich habe gesagt, die machen mit. Zum Beispiel im Krieg von Saddam Hus­sein gegen Iran. Welches europäische Land hat Saddam Hussein nicht geholfen? Können Sie mir das sagen? Nennen Sie mir dieses Land! Das wissen Sie besser. Trotzdem haben wir das einfach vergessen. Nach dem Krieg haben wir uns gesagt, der Krieg ist vorbei. Lassen wir uns Freunde sein. Warum macht Ihr so weiter? Sie sollen uns erklären worin sich Eure Politik unterscheidet von der Politik der USA.

Kleber: [unverständlich] ...

 

Ich muss auch sagen, dass Iran und Deutschland eine Sonderbeziehung haben. Das weiss ich. Und wir sind auch der Überzeugung, dass die Bundesrepublik, die deutsche Regierung, viel milder, viel logischer und viel vernünftiger gehandelt hat. Und wie Sie wissen, haben wir in der Geschichte eine sehr gute Beziehung miteinander gepflegt. Aber wir verstehen nicht, warum die grossen europäischen Länder ihren Abstand, ihre Distanz zu den USA nicht klar definieren. Das muss geklärt werden.

Und Sie hoffen darauf, dass es unter diesem aktuellen Druck eine Spaltung gibt zwischen USA und Europa?

 

Nein, nein, nein, Sie sollen gerne miteinander sein, aber sie sollen gerecht sein und logisch handeln. Die ganze Welt muss zusammenarbeiten aber man muss vernünftig regieren und an die Nationen denken. Das jetzige Modell des Managements schadet eher den Völkern. Es schadet aber auch den Politikern. So kann man nicht weitermachen.

Ja, ich habe ein wenig mehr Verständnis dafür gefunden, dass die Diplomaten sagen, es ist besonders schwierig mit Iran zu verhandeln – eine Herausforderung. Danke für dieses Gespräch.

 

(Ahmadinedschad lacht.) Vielen herzlichen Dank. Ja, wir hätten noch viele Fragen, wo lag denn jetzt das Problem? Wir müssen reden miteinander, damit wir die Literatur und die gegenseitige Sprache noch besser kennenlernen. Wir sind für den Dialog. Dialog ist immer besser als Konfrontation und Krieg. Das ist die Logik des iranischen Volkes und wir lieben Sie und wir lieben die Deutschen ja ziemlich stark.

Shokran. [Ich danke Ihnen.]

 

Ich wünsche Ihnen Erfolg.

 

 

Verlogenheit

Die penetrante Lüge der Massenmedien: «Ahmadinedschad habe Klebers direkte Fragen durch Gegenfragen umgangen», muss man sich anhören.


Fussnoten

1

Atomwaffensperrvertrag oder Nichtverbreitungsvertrag (NVV; englisch Treaty on the «Non-Proliferation of Nuclear Weapons», NPT)

 

2

Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO, englisch International Atomic Energy Agency, IAEA)