Volksrechte

Der Bankrott der Weltordnung

Ist es tatsächlich der Souverän, das Volk, das die Schweiz regiert? Der nachfolgende Bericht von Winfried Schuberth lässt berechtigte Zweifel aufkommen.

(Wien, 2007) Seit Österreich EU-Mitgliedsstaat ist, blicken EU-Kritiker neidvoll auf das Nicht-EU-Mitgliedsland Schweiz. Es ist zwar richtig, dass die Schweiz durch ihre Nicht-EU-Mitgliedschaft gegenüber Österreich viele Vorteile hat oder, besser gesagt, vor vielen Nachteilen, die eine EU-Mitgliedschaft mit sich bringt, bisher verschont geblieben ist. Was jedoch nur wenige wissen: Die Schweiz ist auf andere Weise – Schritt für Schritt – ihrer ehemaligen beneidenswerten Souveränität beraubt worden und zwar unter tatkräftiger Mithilfe ihrer eigenen Regierung. (Hervorh., d. Red.) Wir müssen damit die traurige Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass nunmehr alle deutschsprachigen Länder vom Volk gewählte Regierungen haben, welche überwiegend nicht für, sondern gegen den Willen der Mehrheit des Wählervolkes regieren.

Die Souveränität der Schweiz fiel nicht auf den ersten Streich! Es bedurfte mehrerer Angriffswellen, um aus dem vielbeneideten Felsen der Brandung einen wirtschaftlich und monetär eher unbedeutenden Kleinstaat zu machen. Letztlich ist es der internationalen Hochfinanz mit tatkräftiger Unterstützung durch die Schweizer Regierung doch noch gelungen, den lästigen Konkurrenten auf dem Gebiete der Geldwirtschaft endgültig los zu werden.

Bis 1992 war die Schweiz einer der machtvollsten Bankenplätze der Welt, an dem ein grosser Teil der internationalen Investment-Portfolios verwaltet wurden. (Ein Portfolio bezeichnet den Wertbestand eines Anlegers, Investors. Also Gold, Devisen, Wertpapiere etc.) Diese Vormachtstellung der kleinen Schweiz ruhte auf zwei Säulen: Erstens, der absoluten Stabilität des Schweizer Frankens und zweitens, dem unverbrüchlichen Schweizer Bankgeheimnis. Beide Fakten konnten nur in einem absolut unabhängigen und freien Land aufrecht erhalten werden.

Der Schweizer Franken war ab 1971, nach der Loslösung des Dollars vom Gold, die einzige Währung der Welt, die immer noch durch Gold gedeckt war. Diese einzigartige Anziehungskraft und Stabilitätsgarantie waren es, die den Schweizer Franken zum Brennpunkt des Neides der Befürworter eines weltweiten Dollar-Standards machten. Der Schweizer Franken genoss eine Attraktivität, die der US-Dollar nicht hatte. Seine Anbindung ans Gold konnte daher von den Baumeistern einer zukünftigen Neuen Weltordnung (New World Order) nicht länger toleriert werden.

Wie konnten nun die stockkonservativen Schweizer dazu gebracht werden, ihren Goldstandard (die Golddeckung ihrer Währung) aufzugeben? Der leichteste Weg dorthin war, das Land dem Internationalen Währungsfonds IWF beitreten zu lassen, da dieser seinen Mitgliedstaaten gemäss Artikel 2b Absatz IV der Articles of Agreement (so heissen nämlich die IWF-«Gesetze») das Festhalten an einer goldgedeckten Währung verbieten.

Die im folgenden geschilderten Geschehnisse, die zur Mitgliedschaft der Schweiz beim IWF geführt haben, wären für deutsche oder österreichische Verhältnisse nicht untypisch gewesen (deutsche und österreichische Wähler haben inzwischen begriffen, dass ihre Regierungen meist gegen den Willen der Mehrheit des Volkes regieren), für die Schweiz, die Stätte der letzten Demokratie, waren sie zum damaligen Zeitpunkt noch undenkbar. Doch in den letzten Jahren hat auch die Schweizerische Regierung zum Zwecke der direkten Meinungsbeeinflussung eine mächtige PR-Maschinerie aufgebaut (PR ist die Kürzung für Public Relation, Propaganda). Es ist heute an der Tagesordnung, dass vor jeder Volksabstimmung diese meinungsbeeinflussende PR-Maschine auffährt, um starken Druck auf die Bevölkerung auszuüben, damit den Vorschlägen der Regierung nur ja Folge geleistet wird. Diese teure Maschinerie, die natürlich zu Lasten des Steuerzahlers geht, hatte 1992 ihre erfolgreiche Premiere.

Die Schweiz, in der 1863 durch Henry Dunand und Guillome-Henry Dufour das Rote Kreuz gegründet worden war, besass schon immer ein tiefes Verständnis für humanitäre Hilfe. Also wurde den Schweizer Bürgern vor der Abstimmung «IWF-Mitglied ja oder nein» von ihrer eigenen Regierung vorgelogen, dass der IWF eine Art Entwicklungshilfe sei, wofür er ja auch ursprünglich vorgesehen war. Dass diese Institution inzwischen zum wichtigsten Handlanger der WTO (World Trade Organisation) – eine der wirksamsten Waffen des Neoliberalismus – mutiert war, verschwieg man geflissentlich. Trotz des riesigen Propaganda-Aufwands «pro IWF» war das Abstimmungsergebnis denkbar knapp für den Beitritt. Die einzige grössere Gruppierung die sich klar gegen den IWF-Beitritt ausgesprochen hatte, war die Schweizerische Volkspartei SVP. Mit diesem verhängnisvollen Beitritt waren das Ende der einzigartigen Schweizer Währung und die Bedrohung der prominenten Position der Schweiz als eines der bedeutendsten Finanzzentren der Welt eingeläutet worden. Die Schweizer Internationalisten und EU-Befürworter unter Bundesrat Flavio Cotti und die Sozialdemokraten unter Otto Stich hatten gesiegt. Guten Abend, souveräne Schweiz! Guten Morgen, Internationalismus! Guten Morgen, «Globales Dorf Erde»!

Doch noch hatte die Schweiz ihre riesigen Goldreserven und damit einen – wenn auch verdeckten – Goldstandard des Schweizer Frankens. Dieses «Übel» musste als nächstes beseitigt werden. Während der darauffolgenden vier Jahre wurde den Schweizern in Form einer Dauerbrause von allen linksgerichteten Medien, von sozialistischen Politikern und von «modernen» Ökonomen eingeredet, dass die Schweizer Nationalbank (SNB) auf ihrem Goldschatz «schlafe», anstatt mit einer «modernen» Anlagepolitik Milliarden zu verdienen, die dann natürlich auch dem Schweizer Volk zugute kämen. Die SNB gab schliesslich 1996 dem Druck der «veröffentlichten Meinung» nach und ihr Rechtsexperte Peter Klauser verkündete in aller Öffentlichkeit folgendes:

«Heutzutage beruht der Geldwert ausschliesslich auf dem Vertrauen in die amtlichen Stellen, die es herausgeben. Gold ist zu einer Ware geworden und hat mit Geld nichts mehr zu tun.»

Am Tage nach dieser verhängnisvollen Ankündigung fiel der Goldpreis weltweit um 10 $ pro Unze (1 Unze = 31,1 g). Dies bedeutete für die Zentralbanken der Welt einen Gesamtverlust von 10 Milliarden $ von einem Tag auf den anderen. Nur die Händler, die auf ein Sinken des Goldpreises spekuliert hatten, freuten sich!

Diese Ankündigung Klausers war jedoch eher als Vorspiel zu betrachten, denn trotz fortgesetzten medialen Druckes kam es zu keinen grösseren Goldverkäufen seitens der Schweizer Banken. Also musste man zu schärferen Waffen greifen, um die Schweiz von ihren sagenhaften Goldreserven zu trennen und damit ihre Rolle als bedeutendster Bankplatz Europas zu beenden. Und das tat man, indem man die Rolle der Schweiz vor und während des Zweiten Weltkrieges «unter die Lupe» nahm. So uralt diese Methode auch ist – sie wurde im Mai 2005 60 Jahre alt – so hat sie in ihrer Wirkung erstaunlicherweise nichts eingebüsst, ganz im Gegenteil: Sie hat im Laufe der Jahrzehnte seit Kriegsende an Wirksamkeit noch zugenommen. [Die Macht von Hollywood und der Fernsehindustrie machte es möglich. Anm. d. Red.]

Die «Kampfhandlungen» gegen die Schweiz wurden von einem US-Senator namens Alfonso d’Amato eingeleitet, der die Eidgenossen der Kollaboration mit den Deutschen bezichtigte und darüber hinaus behauptete, dass sich die Schweizer Banken noch immer im Besitz von Gold befänden, das von Nazi-Opfern dort deponiert worden sei. Dieser lange anhaltenden Propaganda-Kampagne, die seitens der USA auf eine Art und Weise geführt wurde, wie sie normalerweise nur zwischen kriegführenden Parteien üblich ist, schloss sich sehr bald auch Edgar Bronfman an, eine der einflussreichsten Persönlichkeiten innerhalb der USA und auch weltweit. Trotz des massiven Einsatzes prominenter Personen konnte kein einziger Anklagepunkt gegen die Schweiz bewiesen werden. Das spielte jedoch in dieser Kampagne keine Rolle, da alle von der Schweiz zu ihrer Entlastung vorgebrachten Beweise von den Medien, auch von den meisten schweizerischen, totgeschwiegen wurden. So wurde auch geflissentlich «übersehen», dass die Schweiz schon in den 1950er Jahren und dann nochmals 1962 gewissenhaft alle sogenannten «eingeschlafenen» Konten von Personen, die möglicherweise im Krieg gestorben waren, untersucht und an Überlebende bzw. Erben Beträge von fast 100 Millionen Franken ausbezahlt hatte. Schliesslich wurde der mediale Druck auf die Schweiz so gross, dass die Schweizer Regierung der Einsetzung einer «unabhängigen» Kommission unter der Führung von Paul A. Volcker, dem ehemaligen Vorsitzenden der US-Notenbank FED, zustimmte. Diese Kommission sollte sämtliche Vorgänge aller Schweizer Banken aus den 1930er und 1940er Jahren erneut auf ihre Sauberkeit überprüfen. Obwohl der «American Spectator» zugeben musste, dass die ganze Untersuchung, wann, von wo, wie und wie viel Geld in den 1930er Jahren in die Schweiz geflossen sei, jeder realen Grundlage entbehre, auch wenn diese Untersuchung von «eminenten» Personen durchgeführt werde, berichtete zur selben Zeit das schweizerische «Journal de Genève» über eine unverhohlene Drohung Bronfmans: «Wenn die schweizerischen Bankiers die einmalige Gelegenheit, ihren Ruf wiederherzustellen, nicht nutzen, ist das Ende der Schweiz als eines der grossen Bankzentren der Welt vorauszusehen. Die freie Welt kann (…) solch ein Bankensystem strafbar finden!» Das sass!

1997 zahlte die Schweiz insgesamt 270 Millionen Schweizer Franken und 1998 1,25 Milliarden Dollar «Wiedergutmachung» für offensichtlich unbewiesene Verbrechen in den 1930er und 1940er Jahren. Bronfman und Co. durften über den Sieg jubeln, doch das eigentliche Ziel, die SNB dazu zu zwingen, mindestens die Hälfte ihrer Goldreserven gegen wertlose zu tauschen, war mit dieser Kampagne nicht erreicht worden.

Da sollen – nach amerikanischen Quellen – drei prominente Persönlichkeiten aus den USA (Paul A. Volcker, Alan Greenspan und Finanzminister Robert Rubin) der schweizerischen Obrigkeit und den führenden Schweizer Bankiers einen inoffiziellen Besuch abgestattet und ihnen erklärt haben, dass der Verkauf des Schweizer Goldes die perfekte Geste sei, der Welt zu zeigen, dass die Schweiz mit ihrer zweifelhaften Vergangenheit endlich abgeschlossen und sich von der Verehrung des Goldes endgültig distanziert hätte. Ausserdem: Wer brauche in einer globalisierten Wirtschaft schon Gold?!

Das sass nun endgültig! Wie gerne hätten Regierung und Grossbanken den Rat ihrer amerikanischen Freunde noch in derselben Stunde befolgt und sich endlich von dem «verfluchten» Gold getrennt, wenn es nicht dummerweise ein «kleines» nationales Hindernis gegeben hätte: die Schweizer Verfassung, welche es nicht gestattete, die Goldreserven der Schweiz – einfach so – zu verscherbeln. Also musste die Verfassung entsprechend geändert werden. Und sie wurde! Während jedoch die Regierung für die Verfassungsänderung mehrere Monate in Anspruch nahm, wurde dem Schweizer Bürger genau drei Wochen Zeit gegeben, dieses verwerfliche Dokument zu studieren, in welchem das Goldreserve-Erfordernis einfach weggelassen worden war. Die schon bei der Abstimmung «IWF: ja oder nein» erfolgreich eingesetzte nationale Propagandamaschinerie wurde erneut in Gang gesetzt, und das Ergebnis bei dieser Abstimmung fiel ähnlich knapp für die Annahme der Verfassungsänderung aus. Offenbar kamen nur sehr wenige Leute zu dem Schluss, dass der Erlass, die Goldbindung abzuschaffen, fatal wäre und die Schweiz für immer verändern würde. Die einzige Partei, die gegen die neue Verfassung stimmte, war wieder einmal Christoph Blochers SVP.

Der Presseclub Schweiz liess von der Post eine Million Informationsblätter gegen die Annahme der angeblich ohne Änderung, bloss «nachgeführten» Bundesverfassung verteilen. (Anm. d. Red.)

Die Baumeister der Neuen Weltordnung hatten – wieder einmal – ihr Ziel erreicht. Der Schweizer Franken ist nun de jure und de facto eine reine Papierwährung wie jede andere auch. Die Schweiz ist nichts Besonderes mehr, wie auch die anderen westeuropäischen Länder nichts Besonderes mehr sind. Das ist nur gut für alle, die sich schon sehnlich ein «globales Dorf» mit Multikultur wünschen, aber schlecht für diejenigen, die ihre nationalen Eigenschaften für sich und ihre Nachkommen erhalten wollen.

Daher mein Rat an Sie, verehrte Leserinnen und Leser: Seien Sie wachsam! Lassen Sie sich von der permanenten medialen Brause nicht beeindrucken und schon gar nicht beeinflussen! Der staatszerstörende Raubtierkapitalismus und seine Helfer sind überall und warten geduldig auf ihre Chance. Dann schlagen sie zu: rasch, treffsicher und rücksichtslos! Die einzige Chance, die Sie als einfacher Staatsbürger noch haben, ist Ihr Stimmrecht bei Wahlen. Nutzen Sie es und stimmen Sie für jene Partei, von der Sie annehmen (dürfen), dass sie kein Handlanger des Raubtierkapitalismus sei.

 

Quelle: Winfried Schuberth, «Die Neue Weltordnung und ihr Geld», zitiert aus der Eckardschrift, Wien, 2007