Gold-Initiative Schweiz

Der unausweichliche Crash des Weltfinanzsystems

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Ernst Indlekofer

Wenn es um Geldsachen geht, ist der Deutsche Günter Hannich ein bekannter Sachverständiger. Doch eine seiner Theorien hinterfrage ich: Stutzig macht seine Behauptung «Nach dem Ende jeden Goldstandards – spätestens nach dem Festkurssystem von Bretton Woods – ist Gold nur noch ein normales Metall wie Eisen, Blei oder Kupfer», schreibt er in seinem Buch «Staatsbankrott» (4. Auflage 2010) auf Seite 162.

Zum Nachweis stellt er Ursache und Wirkung des Goldstandards einfach auf den Kopf, womit er die Machenschaften der Bankster übersieht, nämlich durch den Ersatz des Goldstandards (Goldmünzen) mit dem Gold-Devisen-Standard (teilweise mit Gold gedecktem Papiergeld) die Geldmenge durch die Druckerpresse ins Unermessliche ansteigen lassen zu können. Na ja, habe ich mir gedacht, soll er halt Eisen kaufen.

1923: aus 200 wurden
2 Millionen Mark

Zwei andere Sachverständige haben es mir mehr angetan. Nämlich die Amerikaner Harry E. Figgie und Gerald J. Swanson. In ihrem Buch «Bankrott ’95» (Verlag Ullstein, Frankfurt/M, 1993) schrieb im Vorwort US-Senator Warren B. Rudman: «Amerika befindet sich im Krieg. Vielleicht nicht in einem herkömmlichen, jedoch in einem sehr realen Krieg, einem Wirtschaftskrieg.» Einige Seiten weiter fährt Figgie fort: «Die Vereinigten Staaten haben ein Problem, das leicht zu verstehen, dessen Wirkungen jedoch schwer zu begreifen sind … heimtückischer als Drogensucht. Das Problem hat einen Namen: Staatsverschuldung.» Dies schrieb er 1992 und fährt vielleicht etwas voreilig fort: «Bereits 1995 werden die Vereinigten Staaten von Amerika in der Form, wie wir sie heute kennen, verschwunden sein. In dem genannten Jahr wird das Land in einem Bankrott versinken, aus dem es keine Rückkehr mehr gibt.» 1941 studierte Figgie im Dartmouth College, nicht mehr lange, weil der Weltkrieg kam. Sein Professor Carlson behandelte die Inflation, und dabei kam er auch auf die verhängnisvolle Hyperinflation zu sprechen, von der nach dem Ersten Weltkrieg die Weimarer Republik heimgesucht wurde. Drei Jahre später kam Figgie als Mitglied einer Infanteriedivision selbst nach Deutschland. Darüber berichtet er uns:

«In einer Stadt, deren Namen ich nicht kannte, lag ich, von Gewehrfeuer niedergehalten, in einem Haus, in das ich durch Zufall und Not geraten war, als ich auf dem Boden verstreute Geldscheine von hohem nominellem Wert entdeckte. Es waren Banknoten der Weimarer Republik aus dem Jahr 1923 in Beträgen von bis zu 50 Millionen Mark. Die Nazis hatten sie für ungültig erklärt, daher waren sie als Zahlungsmittel wertlos. Dennoch steckte ich sie in meinen Rucksack und trug sie bis zum Ende des Krieges bei mir.

Als ich schliesslich heimkehrte, legte ich die sechs Banknoten in ein Album, und später liess ich sie einrahmen. Die sechs Scheine in Beträgen zwischen 500’000 und 50 Millionen Mark ergaben eine Gesamtsumme von 112 Millionen Mark. Seit damals hängen sie in meinem Büro als Mahnung, wie wertlos Papiergeld in einer Zeit der Hyperinflation werden kann und wie stabile Regierungen als Folge der Anarchie weichen müssen.»

Am kommenden 30. November werden wir über die Gold-Initiative abstimmen. Sie liebe Leser haben die Wahl, ob wir in der Schweiz einen Gold-Devisen-Standard wollen, d.h. eine mit Gold gedeckte Währung oder ungedecktes Papier, das in schlechten Zeiten nur noch als Brennmaterial gebraucht werden kann.

In der Schweizerzeit Nr. 20 vom 24. Oktober schreibt bzw. fragt René Zeyer: «Wieso es trotz der Flutung der Märkte mit Neugeld in Billionenhöhe noch nicht gekracht hat, weiss eigentlich niemand. Es gibt keine Möglichkeit, keine Theorie, die das zu erklären vermag.» Doch es gibt sie! Nicht die Theorie aber das Wissen, den Zusammenbruch zu verhindern. Eingeschränkt mit dem Zusatz «aufgeschoben ist nicht aufgehoben»: Den «Trick» ausfindig gemacht haben Prof. Lawrence Summers und Robert Barsky.1 Zwischen dem Goldpreis und den Zinsen (etwa für Schatzanweisungen, Bonds, also Staatsschuldpapiere) gibt es eine empirische über viele Jahre gesicherte Beziehung, so sicher wie ein Naturgesetz, nämlich derart, dass unter einem fixen Regime des Goldpreises sich die Zinsen vorhersagen lassen. Diese Relation wirkt natürlich in beiden Richtungen: Wenn ich den Goldpreis also beeinflussen kann, sind die ‹Prognosen› über die Zinsen das Ergebnis einer genauen Rechnung.2 Durch Angebot und Nachfrage von Gold kann der Zins gesteuert werden und somit der Geldmengenbedarf. Dass der Goldpreis manipuliert wird, ist dem, der sich für Finanzwirtschaft interessiert, nicht neu:

Seit Juni 2012 liegen der US-Börsenaufsicht handfeste Insider-Beweise über Silber- und Goldmarkt-Manipulationen durch JP Morgan vor, den Gold- und Silbermarkt manipuliert zu haben, was sie bisher immer bestritten hatte, berichtete der Londoner Edelmetallhändler Andrew Maguire in einem Interview mit King World News-Blog. Er hatte wesentlichen Anteil daran, dass im März 2010 erstmals Untersuchungen aufgenommen wurden. Im Oktober 2010 hatte die US-Justiz sogar Klage gegen JP Morgan und die US-Abteilung der britischen Bullionbank HSBC [engl. bullion: ungemünztes Edelmetall] erhoben. Das Verfahren wurde im März 2013 eingestellt mit der Begründung, JP Morgan sei zwar in der Lage zu manipulieren, es lägen aber keine Beweise vor, dass Händler der JP Morgan dies tatsachlich täten.

Nun meldete sich Andrew Maquire erneut in einem Interview mit King World News zu Wort. Und was er dort vorträgt, besitzt enorme Brisanz. Seinen Aussagen zufolge, liegen der US-Börsenaufsicht CFTC bereits seit Juni 2012 handfeste Beweise über die Manipulation des Silber- und Goldmarktes durch JP Morgan vor. Zwei Mitarbeiter der Grossbank hätten umfangreiche Indizien vorgelegt. Maguire selbst habe für diese zwei Personen eine Anwaltskanzlei vermittelt, die auf die Vertretung von Whistleblowern (Skandalaufdecker, Hinweisgeber) spezialisiert sei. Die Kanzlei habe der CFTC das belastende Material vorgelegt. Doch nichts sei passiert, berichtet die Internet-Seite Goldreporter.de. Die Behörde hält angeblich die Beweise gegen die JP Morgan zurück. Gegen eine der grössten Banken Amerikas ist offenbar nicht anzukommen. Die Medien stellen sich fast ausnahmslos auf die Seite der JP Morgan und bezeichnen Maquire als Verschwörungstheoretiker! JP Morgan hat fünf Niederlassungen in der Schweiz, drei in Zürich, zwei in Genf.

Weniger bekannt sind Derivatgeschäfte mit denen z.B. Gold oder andere Finanzprojekte gehandelt werden, die man gar nicht besitzt, und noch weniger, wie diese funktionieren. Dies zu erklären würde hier zwei Seiten füllen (nachzulesen im Buch von Gerhoch Reisegger). Derivatgeschäfte werden sogar ausserhalb der Bilanz geführt, pseudo-legal! Die Summen der Derivatkontrakte und die Bilanzsummen von fünf US-Banken sehen Sie hier.

Die Bilanzsumme ist die Summe des (Bank-)Vermögens bzw. der Activa. Das Total der obigen Bilanzsummen (Vermögen) repräsentiert gerade noch 3,035 % aller Derivate! Und das sind nur die amerikanischen Banken. Das gesamte Wirtschaftssystem ist heute so von den Banken abhängig, dass es ohne sie nicht funktioniert. Wenn diese Banken zusammenbrechen, reissen sie alles mit sich herunter.

Im Jahr 2008 platzte in den USA die Immobilienblase. Ein Jahr später ging die Bank Lehman Brothers unter. Die amerikanische Staatsverschuldung belief sich auf 17’700 Mrd. US-Dollar. Die weltweiten Derivate-Kontrakte beliefen sich auf rund 500’000 Mrd. Dollar. Im September 2013 beliefen sich gemäss der BIZ in Basel die Derivatkontrakte auf 710’000 Mrd. = 710 Billionen Dollar:

Alan Greenspan, der frühere Präsident des FED, erwähnte in Reden vor Bankfachleuten in Schweden und an einer Universität in Belgien sogar den möglichen Kollaps des gesamten Bankensystems wegen Derivatgeschäften.3

Solche Derivate laufen täglich im Umfang von über 10 Billionen Dollar um den Globus.4 Warren Buffet nennt sie «Finanzielle-Massenvernichtungswaffen». Ähnlich wie bei der New Yorker Pleitebank Lehman wird der Tag kommen, an dem eine Bank ihre Derivate-Verpflichtungen nicht erfüllen kann, pleite macht und mit ihr andere Banken und diese noch andere mit in den Abgrund reissen. Das läuft dann in die von Figgie und Swenson angekündigte «Schuldenkatastrophe der USA und das Ende des ‹American way of life› und das Ende der US-Weltmacht» und des US-Dollar und des jetzigen Weltfinanzsystems.

Doch noch gilt der Kinderreim «Schlaf, Kindlein, schlaf! Da draussen sind die Schaf, die schwarzen und die weissen…»

«Die Wölfe gerne beissen sie im Schlaf, die weissen ganz zu Tode», möchte man ergänzen. Die paar Leute vom Komitee «Gold-Initiative» haben nicht geschlafen. Und die andern, die über 200 Parlamentarier? Mit was vertreiben sie sich die Zeit?

Wie konnte dies alles so kommen wo doch die Jahre von 1814 bis 1914 mit echtem Goldstandard ein blühendes Jahrhundert war? In der Schweiz gab es bis 1936 Goldmünzen, das «Vreneli» zu 10 und 20 Franken. Die Währungen vieler Länder waren so gut wie Gold. Bankier Ferdinand Lips berichtet aus dem «Pick’s Currency Yearbook» von 1975: «Der Goldstandard des 19. Jh. stellt die höchste monetäre Errungenschaft der zivilisierten Welt dar und erscheint heute wie ein Wunder.» Davon zeugen heute noch die prächtigen Sakralbauten (Dome). 1922 wurde in Genua ein Gold-Devisen-Standard auf die Beine gestellt. Das Gold also teilweise durch Papiergeld ersetzt. Ein weiteres verhängnisvolles Jahr folgte 1944 mit dem Bretton Woods-Abkommen bei dem die Teilnehmerländer eine Konvertierung von Gold und dem US-Dollar beschlossen. Gegen Vorlage einer Banknote erhielt man die entsprechende Menge Gold im Verhältnis 35 US-Dollar pro Unze Gold (31,1 g). Der Dollar galt in allen Teilnehmerländern als stabile Währung. Oder anders gesagt, der Gold-Devisen-Standard wurde zum Gold-Dollar-Standard und somit zur Welt-Reservewährung durch seine künstliche Wert-Begrenzung. Die verfügbare Menge des Goldes hätte nicht mit der heutigen Geldmenge Schritt halten können. Unter der Regierung Nixon hatten die USA 1971 das Abkommen von Bretton Woods einseitig gekündigt, so dass sich die weltweite Dollar-Menge durch die US-Staatsverschuldung und Derivate in astronomische Billionenhöhe ausdehnen konnte. Gemäss BIZ hatte sich der Dollar im Jahr 2007 täglich um zehn Billionen Dollar ausgeweitet.

James E. Ewart äussert in seinem Buch «Money» die Ansicht, dass «in Ermangelung des klassischen Goldstandards das heutige Bankensystem durch den Prozess der Giralgeldschöpfung vielleicht nichts weiter als wirtschaftlicher Hokuspokus ist. Banken- und Politik-Insider benutzen es, um Inflation herbeizuführen und dadurch auf subtile Weise allen anderen Menschen Milliarden von Dollar aus den Taschen zu ziehen. Heutzutage hat der US-Dollar weder Gold- noch Silberdeckung.» Dazu der ehem. Schweizer Bankier Ferdinand Lips († 2005): «Ich teile seine Meinung, dass unser heutiges Papiergeldsystem das vielleicht grösste Verbrechen der Menschheitsgeschichte ist.»

Seit dem Buch «Bankrott ’95» von Harry E. Figgie und Gerald J. Swanson (Verlag Ullstein, Frankfurt/M, 1993) habe ich 17 weitere Bücher zum Geldwesen gelesen und studiert». Als die zwei besten dieser Bücher (von den rein EURO-politischen abgesehen), sind das Buch des Österreichers Gerhoch Reisegger, «Wege aus dem Globalisierungs-Chaos, Grundlagen für eine neue Wirtschaftsordnung» (Hohenrain-Verlag, 2009) und das Buch des ehem. Schweizer Bankiers Ferdinand Lips, «Die Gold-Verschwörung» (Kopp-Verlag, 2003) zu nennen. Menschen, die gewohnt sind zu denken und sich auch Zeit nehmen nachzudenken, seien die zwei zuletzt genannten Bücher sehr empfohlen. Als unverzichtbar ist das Buch von Reisegger zu nennen. Das Buch von Lips mit dem Schwergewicht auf das Gold und den Goldstandard ist eine wichtige Ergänzung.

Wir empfehlen allen, sich das Buch von Gerhoch Reisegger zu besorgen. Im Kapitel sieben «Ziele und Strategien» orientiert er auf 105 Seiten wie wir uns aus dem globalistischen Chaos befreien können. Wie sich Europas Volksgemeinschaften und Nationalstaaten auf Grundlage des metaphysischen Prinzips (nach G. F. Herder und J. G. Fichte usw.) aus dem uns bedrohenden Chaos erheben können. Wenn wir uns in den kommenden zwei bis drei Jahren politisch nicht bewegen und obsiegen, erreichen wir den «point of no return». Der Untergang der europäischen Völker ist dann nicht mehr abzuwenden. £


Fussnoten

1

Summers und Barsky in «Gibson’s Paradox» 1988; J. M. Keynes said, «one of the most completely established empirical facts in the whole field of quantitative economics», siehe Ferdinand Lips, «Die Gold-Verschwörung», Kopp-Verlag, 72108 Rottenburg (D) 2003, S. 315

 

2

Gerhoch Reisegger, «Wege aus dem Globalisierungs-Chaos», Hohenrain-Verlag Tübingen 2009, S. 238

 

3

Ferdinand Lips, a.a.O., S. 126

 

4

Gerhoch Reisegger, a.a.O., S. 173