Zur Beruhigung der Schweizer

Von G. Zikeli, Deutschland

Im 70. Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges lässt die Frage «Warum griff Nazideutschland nicht an?» unsere eidgenössischen Nachbarn offenbar noch immer nicht zur Ruhe kommen. In ihrer Ausgabe vom 2. Mai 2015 stellt die «NZZ am Sonntag» in einem Aufsatz aus der Feder von Andreas Kley, Professor für öffentliches Recht und Verfassungsgeschichte an der Universität Zürich, erneut Überlegungen zu dieser Rätselfrage an und findet als Antwort, dass «der Eintrittspreis für die Nazis» dank der Bindung ihrer «militärischen Kräfte» an der Ostfront, aber auch «weil die Schweiz aus eigener Kraft abwehrbereit war», doch wohl «zu hoch gewesen» sei.

Auf den viel näher liegenden Gedanken, dass für einen Angriff keine Notwendigkeit bestand, scheint man bewusst nicht kommen zu wollen. Offenbar empfindet man es als schmerzlich, von der derzeit stattfindenden Sieges- und Befreiungsfeiern in Europa ausgeschlossen zu sein.

Am 14. Juli 1940 wusste Winston Churchill seinen Landsleuten mitzuteilen, dass «Hitler mit wissenschaftlicher Gründlichkeit (sic!) die Pläne zur Zerstörung der Nachbarstaaten Deutsch­lands» ausgearbeitet habe. Solche «Pläne» hätten für «Polen, Norwegen, Dänemark», für die «friedfertigen, vertrauensseligen Holländer» und «natürlich auch für die Belgier» bestanden.

Die Schweiz aber liess Churchill unerwähnt und vergass auch zu erwähnen, dass es Frankreich und England waren, die Deutschland am 3. September 1939 den Krieg erklärt hatten. Doch war er sich «sicher, dass tatsächlich ein Plan – vielleicht ein in jahrelanger Arbeit vorbereiteter Plan – für die Zerstörung Grossbritanniens» bestand.

«Sicher war sich» auch sein Verbündeter F. D. Roosevelt, dass Hitler von Südamerika aus die USA angreifen und «zerstören» wollte. Aus diesem Grunde musste er Deutschland so lange «provozieren» (NZZ vom 3.1.1972), bis ein Gegenangriff erfolgte und er sich damit den von ihm ersehnten casus belli hatte.

«Die Schweizer sind nichts als ein missratener Zweig unseres Volkes», behauptete Hitler wenig schmeichelhaft am 22.1.1942 in der Wolfsschanze und hatte bereits in der Nacht vom 8. zum 9.9.1941, ebenfalls in der Wolfsschanze, geäussert: «Die Schweizer werden wir allerdings nur als Gastwirte verwenden können.» Damit lohnte sich wohl selbst für ihn, der wie Churchill wusste, mit «wissenschaftlicher Gründlichkeit» Kriegspläne ausarbeitete, kein Versuch, sich dieser «abwehrbereiten Gastwirte» gewaltsam zu bemächtigen. Das müsste ihnen [den Schweizern] doch heute eigentlich zur Beruhigung dienen.

Quelle: Volk in Bewegung Nr.3/4–2015