«Eine internationale Verschwörung von Juden gegen die Menschheit»

Der folgende Beitrag stammt aus der Feder des jüdischen Historikers Daniel Jonah Goldhagen, Autor des Buches Hitlers willige Vollstrecker (siehe Nr. 1/1999 «Wenn zwei dasselbe sagen»). Wir haben ihn aus der Zeitschrift Die Welt von der Homepage www.das-gibts-doch-nicht.de heruntergeladen und bringen ihn unserer Leserschaft ungekürzt zur Kenntnis:

Was sind Antisemiten? Das sind jene Menschen, die von Juden gehasst werden. Immer wenn Juden kritisiert werden, auch wenn diese Kritik noch so sanft ist, gilt dies nach jüdischer Lesart als «Hass». Alles ist Hass, was den Juden nicht als Lob entgegengebracht wird. Und da dies so ist, explodiert die weltweite Gemeinde der Antisemiten (früher reduziert auf sogenannte Nazis) über Nacht. Dies hat einen ganz natürlichen Grund. Durch die weltweite Vernetzung der Computer-Informationen wurde die Menschheit über den Einfluss der jüdischen Machtzentren und über das jüdische Programm (das global ist) zum ersten Mal umfassend aufgeklärt. Die Anti-Globalismus-Bewegung sieht Juden als Betreiber des schädlichen Globalismus. Für Daniel Goldhagen ist dies der Beweis dafür, dass die ganze Welt die Juden hasst. Es ist schon seltsam, da wird das Judentum angeblich von der gesamten Menschheit gehasst, aber die Juden selbst sollen daran vollkommen unschuldig sein.

Der alte neue Hass – Wie der Antisemitismus global wurde

Von Daniel Jonah Goldhagen

«Anti-Globalisierungsdemo in Davos. Einer verkleidet als Donald Rumsfeld, einer als Scharon, hinter ihm das Goldene Kalb.» Eine weltweite Bewegung hat erkannt, welche Rolle das Machtjudentum im Globalismus spielt. Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte wurde weltweit ein so weitreichendes Wissen über das jüdische Programm verbreitet. Globalismus: Das Menschheitsvermögen wird in die Taschen einiger Wenige umgeleitet. Die Anbetung des Goldenen Kalbes.

Während seiner zweiten Ära im 19. und 20. Jahrhundert nahm der Antisemitismus eine säkulare und eher rassistische Form an, dergemäss eine internationale Verschwörung von Juden gegen die Menschheit arbeitete…

Der Brennpunkt der Animosität gegenüber Juden hat sich in überwältigendem Mass zu Juden anderer Länder verschoben: nach Israel und in die Vereinigten Staaten, die angeblich die moralischen und materiellen Hauptverbrecher in der internationalen Arena seien. Für viele ist der Zionismus zu einer mythischen Wesenheit geworden, zu einer zerstörerischen Kraft; und der Antizionismus ist mit dem Antiamerikanismus mittlerweile so weit verwoben, dass nationalistische Politiker in Russland ihre Furcht vor der amerikanischen Vorherrschaft ausdrücken, indem sie sagen, Russland sei in Gefahr, «zionisiert» zu werden.

Das Zentrum des Antisemitismus und die Richtungen seiner Transmission sind ebenfalls neu. In den früheren Ären des Antisemitismus floss die Dämonologie über Juden erst vom christlichen – dann vom europäischen – Zentrum in die Peripherie. Heute gibt es viele antisemitischen Zentren, und die Dämonologie fliesst in viele Richtungen, aus Europa in den Nahen Osten und anderswo und wieder zurück. Im Wesentlichen hat Europa seinen klassischen rassistischen und Nazi-Antisemitismus in die arabischen Länder exportiert, die ihn auf Israel und Juden im Allgemeinen anwandten und mit wirklichen oder eingebildeten Merkmalen des intensiven örtlichen Konflikts überzogen. Anschliessend re-exportierten die arabischen Länder die neu zusammengesetzte Dämonologie zurück nach Europa und in andere Länder rund um den Globus, indem sie von den Vereinten Nationen und anderen internationalen Institutionen Gebrauch machten. In Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und anderswo bedient sich die intensive antisemitische Ausdrucksweise und Propaganda von heute alter Tropen [griech. Vertauschen des eigentlichen Ausdrucks mit einem bildlichen], die einst gegen die örtlichen Juden gerichtet waren – Anklagen, dass sie Chaos säen würden, um andere zu unterjochen –, aber sie füllen diese Tropen mit einem neuen Inhalt, der sich vor allem gegen Juden ausserhalb ihrer Länder und ihres Kontinents richtet.

Die Bilder, die den globalisierten Antisemitismus charakterisieren, sind neu. Der Rambo-Jude hat in der antisemitischen Phantasie im grossen und ganzen Shylok1 ersetzt. Der schlau und heimlich korrumpierende Jude der ersten zwei Jahrtausende des Antisemitismus, der nun mit seiner neuen militärischen und politischen Macht bewaffnet ist, hat sich in den unterdrückenden, brutalen und tötenden Juden verwandelt, der die Schmutzarbeit entweder selbst verrichtet, wie in Israel, oder andere dazu anstellt, sie für ihn zu verrichten, wie man es – phantastischerweise – den Juden nachsagt, die mit der Bush-Regierung zu tun haben.

Ein emblematisches Bild des globalisierten Antisemitismus ist jenes, das Donald Rumsfeld zeigt, wie er einen gelben Stern mit der Aufschrift «Sheriff» trägt, gefolgt von Ariel Scharon, der einen Knüppel schwingt und von einem goldenen Kalb flankiert wird. Es ist mehr als ein Zufall, dass diese Szene, die die (putative [lat. vermeintlich]) weltweite Natur und die raubtierhaften Gelüste der Juden ausdrückte, für eine Anti-Globalisierungs-Demonstration in Davos geschaffen wurde.

Der globalisierte Antisemitismus hat noch andere wichtige und neue Merkmale – darunter seine sofortige und weltweite Verbreitung sowohl durch das Internet als auch die einseitigen Fernsehberichte und aufhetzenden Bilder vom Leiden der Palästinenser, die in das antisemitische Narrativ [lat. Erzählende] einfliessen. Weitere Kennzeichen sind seine Vereinigung von Elementen der Rechten und Linken in Europa und sein halb durchlässiger Deckmantel des Antizionismus. …

Der globalisierte Antisemitismus ist Teil der Vorurteilsstruktur der Welt2 geworden. Er schwebt frei und ist in vielen Ländern und Subkulturen beheimatet und in vielen Variationen erhältlich – und zwar für jeden, der Einflüsse aus dem Ausland, die Globalisierung oder die Vereinigten Staaten nicht mag. Er ist unbarmherzig international in seiner Konzentration auf Israel als Zentrum der mit Konflikten am stärksten geplagten Region der Welt und Amerika als allgegenwärtige Weltmacht. Er schöpft seine Kraft aus sich selbst, mit seinen phantastischen Konstruktionen von Juden und Zionismus – die etwas anderes sind als legitime Kritik, die man an Israels Politik üben kann –, und er liegt völlig ausserhalb der Länder und Erfahrungen der Leute. Und er ist immer nur ein paar Mausklicks entfernt.

Doch das Wiedererwachen des Antisemitismus in seiner neuen globalistischen Form bedeutet, dass es dem Judenhass wiederum gelang, sich zu verwandeln und seine Einflussphäre auszubreiten – sogar bis nach Afrika und Asien. …

Die tiefen Wurzeln des Antisemitismus im sich immer weiter ausbreitenden globalisierten Bewusstsein und die Beharrlichkeit und Formbarkeit, die er bewiesen hat, machen seine Auflösung unwahrscheinlich. (Die Welt, 28.6.2003, S. 7).


Fussnoten

1 Shakespeare: Der Kaufmann von Venedig, 1596 (Shylok ist ein hartherziger jüdischer Geldverleiher).

2 Widerlegung des Vorurteils auf Seite 6 dieser Ausgabe (Hervorhebung: d.R.)