Die «Weltwoche» antwortet nicht

von Ernst Indlekofer

Nachdem die Weltwoche in ihrer Ausgabe vom 31. Mai 2007 Bundesrätin Calmy-Rey scharf kritisiert hatte, weil sie für iranische Politiker in Genf ein Seminar «zur unterschiedlichen Perzeption des Holocaust» abhalten wollte, schrieb ich der Weltwoche einen Brief, in welchem ich auf die nationalrätliche Fragestunde vom 18. Juni 2007 hinwies. Bundesrätin Calmy-Rey erklärte auf die Frage eines Parlamentariers:

«Der Holocaust ist eine absolut unbestreitbare historische Tatsache, die zu keinerlei Diskussion Anlass gibt. Es gibt keinerlei Auslegungsspielraum zur Frage über den Völkermord an den Juden.» (Schweizerzeit Nr. 18, 29. Juni 2007, S. 8. Hier aus dem Französischen übersetzt.)

Diese Erklärung der Bundesrätin, wonach «zu keinerlei Diskussion Anlass gegeben sei», stehen folgende Tatsachen entgegen: a) der Zeitungsbericht der Berner Tagwacht vom 24. August 1945, b) die Gedenksteine von Auschwitz und c) der Bericht von Fritjof Meyer (geb. 1932) über das Lager Auschwitz. Die Berner Tagwacht ist das damalige Parteiblatt der Schweizer Sozialisten. In der genannten Ausgabe erschien auf der Titelseite ein Bericht wonach die Deutschen 26 Millionen Juden ermordet hätten. Die Gedenksteine von Auschwitz jedoch bezeugten 40 Jahre lang die Ermordung von vier Millionen Opfern. 1990 wurden die Inschriften abgeschliffen und verkündeten fünf Jahre später den Besuchern «anderthalb Millionen» Ermordete. Meyers Bericht erschien in der Zeitschrift Osteuropa. Darin reduziert Meyer die Auschwitz-Opfer um rund 90 % und nennt die frühere Viermillionenzahl für Auschwitz-Birkenau «ein Produkt der sowjetischen Kriegspropaganda». (Ausführlicher Text in vom August 2007) Fritjof Meyer ist Diplom-Politologe und war von 1966 bis 2002 leitender Redaktor des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Hauptverantwortlich für die Zeitschrift Osteuropa ist deren Präsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth, ehemalige Präsidentin des Deutschen Bundestages. Gegen Frau Süssmuth und weitere Personen genannter Zeitschrift wurde von privater Seite Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Doch die Staatsanwaltschaft Stuttgart stellte am 28. Mai 2003 das Ermittlungsverfahren ein. (Weniger prominente Personen werden von den Medien als «Holocaust»-Leugner verleumdet und von den Gerichten schonungslos zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Der österreichische Dichter Gerd Honsik, wurde im Dezember 2007 allein aufgrund von Fragen zum Holocaust zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt.)

Es kann mit höchster Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass die Chefin des Aussendepartementes auf normalem Weg oder durch die Schweizerischen Geheimdienste nicht über den Bericht von Fritjof Meyer orientiert worden ist. Desgleichen die Weltwoche, die Henryk M. Broder zu ihren freien Publizisten zählt. Herr Broder ist nämlich zugleich regelmässiger Autor des Spiegels und sozusagen ein Kollege von Fritjof Meyer.

Bundesrätin Calmy-Reys parlamentarische Rechtfertigung kann nur als Schutzbehauptung wegen der Kritik in der Weltwoche verstanden werden. Das Antirassismusgesetz (Art. 261bis StGB) bleibt uns jetzt weiterhin zur Unterdrückung unbequemer Stimmen aus dem Volk gegen die Immigration erhalten.

Aufgrund des oben erwähnten Sachverhaltes schrieb ich am 8. August 2007 an die Weltwoche (vgl. 5-6/2007). Im letzten Absatz stellte ich folgende Fragen:

«Es würde mich interessieren, wie Sie die Diskrepanz zwischen Ihrem Bericht vom 31. Mai 2007 und meinen Ausführungen erklären. Auch nähme mich wunder, warum die Weltwoche die neuen Erkenntnisse, wie sie in der Zeitschrift Osteuropa publiziert worden sind, seit vier Jahren mit Zensur belegt hat.»

Die Weltwoche antwortete nicht, worauf ich eine zweite Anfrage nachreichte:

 

18. August 2007

«Seminar für Holocaust-Leugner»

von Urs Gehriger und Pierre Heumann

(Weltwoche 31. Mai 2007)

Sehr geehrte Herren

Sie haben in oben erwähnter Ausgabe den falschen Eindruck erweckt, es gäbe in Bezug auf den «Holocaust» keinerlei Interpretationsspielraum. Mit meinem Brief vom 8. August habe ich Ihre Meinung mit unwiderlegbaren Tatsachen entkräftet.

Im letzten Absatz meines Briefes, von dem Sie anbei eine Kopie erhalten, habe ich Sie um Auskunft gebeten. Darauf ist bis heute keine Antwort bei mir eingegangen.

Ich bitte Sie freundlich um Ihre Stellungnahme, wofür ich zum voraus bestens danke.

Mit freundlichen Grüssen

sig. E. Indlekofer

 

Die Weltwoche bediente sich der Informationssperre und Meinungsunterdrückung durch Diskussionsverweigerung, denn sie liess auch meinen zweiten Brief unbeantwortet. Damit missachtete sie die Pflichten der Journalistik. In der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» geloben sie, was folgt (auf die den Lesefluss störende Verdoppelung männlich/weiblicher Substantive verzichten wir):

«Das Recht auf Information, auf freie Meinungsäusserung und auf Kritik ist ein grundlegendes Menschenrecht. Vom Recht der Öffentlichkeit auf Kenntnis der Tatsachen und Meinungen leiten sich die Pflichten und Rechte der Journalisten ab.

Die Verantwortlichkeit der Journalisten gegenüber der Öffentlichkeit hat den Vorrang vor jeder anderen, insbesondere vor ihrer Verantwortung gegenüber ihren Arbeitgebern und gegenüber staatlichen Organen.

 

Erklärung der Pflichten der Journalisten

1. 

Sie halten sich an die Wahrheit, ohne Rücksicht auf die sich daraus für sie ergebenden Folgen und lassen sich vom Recht der Öffentlichkeit leiten, die Wahrheit zu erfahren.

 
2. 

Sie verteidigen die Freiheit der Information, die sich daraus ergebenden Rechte, die Freiheit des Kommentars und der Kritik sowie die Unabhängigkeit und das Ansehen ihres Berufes.

 
3. 

Sie veröffentlichen nur Informationen […], deren Quellen ihnen bekannt sind. […]

 
4. 

[…] bis 9. […]

 
10. 

Sie nehmen journalistische Weisungen nur von den hierfür als verantwortlich bezeichneten Mitgliedern ihrer Redaktion entgegen, und akzeptieren sie nur dann, wenn diese zur Erklärung der Pflichten der Journalisten nicht im Gegensatz stehen. […] Sie weisen dabei insbesondere jede Einmischung einer staatlichen oder irgend einer anderen Stelle zurück.

 
  info@presserat.ch

 

Wie meine Briefe an die Weltwoche klar beweisen, ist die von den Journalisten abgegebene Erklärung nicht das Papier wert, auf das sie geschrieben ist. Obwohl der Mehrheit der Bevölkerung die aufgeführten Fakten unbekannt sind und die Weltwoche die genauen Quellen kennt, kommt sie ihrer Verpflichtung, wonach die Öffentlichkeit die Wahrheit erfahren soll, nicht nach. Und sie verweigert dem Anfragesteller auch noch die Antwort. Dieselbe Zeitung ist sich aber nicht zu schade, ihr ein aus dem Bundeshaus zugespieltes Geheimpapier über ein von Bundesrätin Calmy-Rey geplantes Holocaust-Seminar zu publizieren, ohne dass die Bevölkerung von dieser Offenbarung den geringsten Nutzen hatte, das Vorpreschen mit dieser Nachricht aber ihre Kasse füllte. Das Holocaust-Seminar ist vermutlich wegen der Weltwoche geplatzt. Damit hat sie mutwillig eine Chance zur Völkerverständigung zunichte gemacht.